Tagesecho Gedenken an die Selbstverbrennung von Jan Palach
Vor 40 Jahren verbrannte sich der Student Jan Palach am Prager Wenzelsplatz selbst. Aus diesem Grund findet in Prag eine Reihe von Gedenkveranstaltungen statt. Im Rahmen einer Ausstellung werden bislang unveröffentlichte Dokumente präsentiert und ein neues Buch analysiert die Hintergründe und Folgen von Palachs Selbstverbrennung.
Jan Palach
„Die Prager Polizeiverwaltung teilt mit, dass sich heute gegen 15 Uhr auf
dem Wenzelsplatz der 21-jährige J.P., Student an der Philosophischen
Fakultät schwere Verbrennungen zugezogen hat. Er hat sich mit einer bisher
unbekannten Flüssigkeit übergossen, anschließend seine Kleidung in Brand
gesteckt und fügte sich dabei schwere Verbrennungen zu. Durch das rasche
Eingreifen eines Aufsehers der Verkehrsbetriebe wurde das Feuer an dem
Studenten gelöscht und der Rettungsdienst brachte ihn zur weiteren
Behandlung ins Krankenhaus. Die Hintergründe der Tat werden ermittelt.“
Diese nüchterne Meldung verbreitete der Tschechoslowakische Rundfunk am Nachmittag des 16. Januar 1969. „J.P.“, wie ihn die Sprecherin nannte, heißt mit vollem Namen Jan Palach. Als „lebende Fackel“ protestierte er gegen die blutige Niederschlagung des Prager Frühlings im Sommer 1968 und das daraufhin wieder erstarkte totalitäre Regime. Wie der christliche Reformer Jan Hus, der im Jahr 1415 in Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, wollte auch Jan Palach für seine Ideale sterben: Freiheit, Demokratie und Menschenwürde.
Begräbnis von Jan Palach
Am Freitag jährt sich Palachs Selbstverbrennung zum vierzigsten Mal. Aus
diesem Anlass finden in Prag dieser Tage zahlreiche Gedenkveranstaltungen
statt. Im Zentrum stehen dabei die Prager Karlsuniversität und die
Philosophische Fakultät. Deren Dekan Michal Stehlík erläutert die
Einzelheiten:
„Bei der Gestaltung der verschiedenen Aktionen arbeiten mehrere Institutionen zusammen: die Philosophische Fakultät der Karlsuniversität und die Universität selbst, das Nationalmuseum, das Institut zum Studium der totalitären Regime und das Archiv der Staatssicherheitsdienste. Die Initiative dafür ist zu einem großen Teil von den Studenten der Philosophischen Fakultät ausgegangen.“
Gedenktafel am Gebäude der Philosophischen Fakultät in Prag
Ab Freitag ist im Carolinum, dem historischen Hauptgebäude der
Karlsuniversität, eine Ausstellung über Jan Palach zu sehen. Sie
präsentiert zum Teil bisher unveröffentlichte Originaldokumente. Unter
anderem die letzten Briefe Palachs. Ebenfalls zum Gedenktag erscheint ein
mehr als 600 Seiten starkes Buch über Jan Palach. Neben Hunderten Fotos
und Originaldokumenten enthält es auch eine wissenschaftliche Studie über
die Hintergründe und die Folgen der Selbstverbrennung von Jan Palach.
Verfasst hat sie Petr Blažek von Tschechischen Akademie der
Wissenschaften:
„Die Studie widmet sich einerseits der Tat von Jan Palach und andererseits den Ermittlungen durch die Kriminalpolizei, die den Fall bis Juni 1969 untersucht hat.“
Ziel der Ermittlungen sei vor allem gewesen, herauszufinden, ob Palach ein
Einzeltäter war oder ob er einer Gruppe von Regimegegner angehörte. Bis
heute ließen sich dafür nur Indizien aber keine Beweise finden. Im Zuge
seiner Recherchen entdeckte Blažek auch einen Brief von Jan Palach, in dem
er potentiellen Mitstreitern die Besetzung des Tschechoslowakischen
Rundfunks vorschlug.








