Tagesecho Fußball-Rowdys: Nach Exzessen in Brünn ist Gewalt in Stadien erneut Streitthema

24-02-2009 16:15 | Till Janzer

An diesem Wochenende hat sie begonnen: die Rückrunde in der tschechischen Fußballliga. Doch die sportlichen Leistungen der Kicker stehen derzeit nicht im Mittelpunkt. Die öffentliche Diskussion wird vielmehr durch eine organisatorische Neuerung beherrscht: Erstmals sind die Vereine selbst für die Sicherheit in den Stadien verantwortlich. Die Polizei bleibt von nun an draußen und soll nur im Notfall eingreifen. Als Probelauf galt das als problematisch eingestufte Erstliga-Spiel des 1. FC Brünn gegen Baník Ostrau. Prompt flogen dabei die Fäuste und Härteres. Vereinsvertreter und Verbandsfunktionäre kritisieren nun die neue Regelung.

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Fußball-Rowdys in Brünn (Foto: ČTK)Fußball-Rowdys in Brünn (Foto: ČTK) Kampfszenen im Städtischen Stadion Brünn am Sonntagnachmittag: Fußballrowdys aus Ostrau drücken die Gitter um ihren Gästefanblock ein und strömen in Richtung Spielfeld. Die Ordner werden weggeschoben oder niedergeprügelt. Brünner Vereinsfunktionäre rufen die Polizei um Hilfe. Bilanz: 14 Verletzte Ordner und Polizisten, fünf Festnahmen und jede Menge Sachschäden.

Fußball-Rowdys in Brünn (Foto: ČTK)Fußball-Rowdys in Brünn (Foto: ČTK) Die Vorfälle vom Sonntag lassen erneut die Emotionen hochkochen: Wer ist für die Sicherheit in den Stadien verantwortlich? Laut Innenminister Ivan Langer liegt der Fall klar: Fußballspiele seien private Veranstaltungen, also müssten die Klubs für die Sicherheit sorgen - und notfalls auch die Konsequenzen tragen:

„Jene Vereine, die die Ordnung im Stadion nicht gewährleisten können, müssen damit rechnen, dass sie dann ohne Zuschauer spielen“, so Langer am Montag bei einer Pressekonferenz in Prag.

Tatsächlich haben hier die Vereine viel vernachlässigt. Veraltete Stadien und lasche Sicherheitskontrollen machen es den Rowdys leicht. Beim Böhmisch-Mährischen Fußballverband weiß man, dass hier auch die Klubs selbst in der Verantwortung stehen. Auf der anderen Seite werden zwölf Begegnungen pro Saison als besonders risikoreich bewertet. Im benachbarten Österreich ist bei solchen Spielen die Polizei mittlerweile wieder präsent. Das hält der Verbandsvorsitzende Pavel Mokrý für die richtige Lösung:

Fußball-Rowdys in Brünn (Foto: ČTK)Fußball-Rowdys in Brünn (Foto: ČTK) „In solchen Fällen halte ich die Anwesenheit der Polizei im Stadion für nötig – präventiv. Die Rowdys erlauben sich dann nicht so viel. Das Polizeigesetz sollte dahingehend verändert werden.“

Fußball-Rowdys in Brünn (Foto: ČTK)Fußball-Rowdys in Brünn (Foto: ČTK) Ähnlich äußerte sich auch Sepp Blatter. Der Chef des Weltfußballverbandes Fifa war zufälligerweise gerade am Montag zu einem Arbeitsbesuch in Prag. Politische Unterstützung gibt es zudem von den oppositionellen Sozialdemokraten. Ihr Sicherheitsexperte Jeroným Tejc hält es für falsch, Fußballspiele als reine Privatveranstaltungen zu betrachten. Sie hätten vielmehr öffentlichen Charakter und das müsse in dem für den Sommer von der Regierung geplanten neuen Gesetz zur Fangewalt berücksichtigt werden:

„Das neue Gesetz über Fangewalt soll die Regeln klar definieren. Vor der Saison sollten Polizei, Vereine und Gemeindeverwaltung zusammenkommen und die Risikospiele nur dann zulassen, wenn die Assistenz der Polizei sicher gestellt ist und die Vereine dafür zahlen.“

Das neue Gesetz soll das Rowdytum auch endlich als Straftatbestand und nicht nur als Ordnungswidrigkeit definieren. Bis dahin müsse aber der Status quo ante herschen, glauben die Sozialdemokraten. Sie wollen noch in der kommenden Woche ein Gesetz dem tschechischen Parlament unterbreiten, das die umstrittenen Passagen im neuen Polizeigesetz wieder aufhebt.

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