Tagesecho Fußball: Nach Sieg in Litauen erreicht Tschechien die Play-offs zur EM
Die tschechische Fußball-Nationalmannschaft darf weiter von der Teilnahme an der EM-Endrunde 2012 in Polen und der Ukraine träumen. Nach dem 4:1-Sieg im letzten Gruppenspiel der Qualifikation in Litauen haben die Spieler um Kapitän Tomáš Rosicky die Play-offs erreicht, in denen sie als gesetztes Team auf einen Gegner vom Balkan oder auf Estland treffen. Trotz des Teilerfolgs aber sind die Fans in Tschechien mit ihrer Mannschaft nur mäßig zufrieden.
Tschechien - Spanien 0:2 (Foto: ČTK)
Die Rollen waren von Anfang an klar verteilt: In der Qualifikationsgruppe I
war Welt- und Europameister Spanien der haushohe Favorit, Tschechien musste
sich folglich darauf konzentrieren, die Qualifikation zumindest als
Gruppen-Zweiter abzuschließen. Vor den beiden abschließenden
Gruppenspielen lagen die Tschechen zwei Punkte vor den Schotten, so dass
sie noch vier Punkte brauchten, um es aus eigener Kraft zu schaffen. Ein
Unentschieden zu Hause gegen die übermächtigen Spanier lautete zunächst
die schwierigere der beiden Aufgaben. Das Vorhaben scheiterte allerdings
recht schnell, weil die Gäste schon nach sechs Minuten durch Mata auf
Zuckerpass von Xavi in Führung gingen. Ein Tor, das bereits
spielentscheidend war, meinte hinterher auch Außenverteidiger Theodor
Gebre Selassie:
„Wir glaubten an unsere Chance, doch das frühe Tor hat uns gelähmt, den Spaniern hingegen in die Karten gespielt. Danach haben sie sich damit begnügt, den Ball in ihren Reihen zu halten, doch das beherrschen sie wie kein zweites Team auf der Welt.“
Jan Rezek (Foto: ČTK)
Und so kam es dann auch. Die Spanier legten durch Xabier Alonso noch ein
zweites Tor nach und brachten das 2:0 ziemlich mühelos nach Hause, auch
weil sie zu 80 Prozent in Ballbesitz waren. So konnte Gebre Selassie, der
noch zu den eifrigsten Tschechen gehörte, nach dem Spiel nur konstatieren:
„Das war sicher eine Lektion, solch eine Erfahrung macht man nicht jeden Tag. Die Spanier spielen jedoch einen völlig anderen Fußball als alle anderen.“
Tomáš Rosický (links). Foto: ČTK
Nach der Lektion aber rief die Pflicht, denn nach dem Sieg der Schotten in
Liechtenstein musste Tschechien beim Auswärtsspiel in Litauen unbedingt
punkten, um an den „Bravehearts“ wieder vorbeizuziehen. Vor der Partie
gab es jedoch schon den ersten Schreck, weil sich Kapitän Rosický eine
schmerzhafte Leistenzerrung zuzog und daher nicht auflaufen konnte. Von der
Tribüne aus durfte er dann jedoch verfolgen, wie gut seine Mitspieler auch
ohne ihn die Pflichtaufgabe lösten. Nach je zwei Toren von Jan Rezek und
dem Leverkusener Michal Kadlec, der zwei Strafstöße verwandelte, gewann
das tschechische Team mit 4:1. Darüber war dann auch Tomáš Rosický
erfreut und erleichtert:
„Es ist natürlich schön, dass wir auch ohne mich gewinnen können, unser Spiel also nicht nur mit einem Spieler steht und fällt. Es ist positiv, dass dies auch funktioniert.“
Roman Hubník (Foto: ČTK)
Nicht funktioniert im Spiel hatte lediglich eine Abseitsfalle, den Fehler
wollte dann Hertha-Verteidiger Roman Hubník mit einer Notbremse ausbügeln
und sah dafür Rot. Hubník wird daher fehlen in den Play-offs, die kein
Zuckerschlecken werden, meint Kapitän Rosický:
„Die Play-offs werden natürlich weit schwieriger als das Erreichen dieser Relegation.“
Und auch der oft kritisierte Trainer Michal Bílek weiß, dass in den Play-offs letztlich nur der Erfolg zählt:
Michal Bílek (Foto: ČTK)
„Ich habe die Aufgabe erhalten, die Mannschaft zur EM-Endrunde zu
führen. Wenn wir das nicht schaffen, ist es ein Misserfolg.“
Um den Misserfolg zu verhindern, muss Tschechien in einem Monat noch eine der vier möglichen Hürden – Türkei, Bosnien-Herzegowina, Montenegro oder Estland – überspringen. Erst dann werden die tschechischen Fußballfans wohl wieder Frieden schließen mit ihrem Team, das sie zuletzt nur selten begeistern konnte.







