Für den Frieden wandern: Kolping-Mitglieder trafen in Prag zusammen

Das Kolpingwerk ist ein internationaler christlicher Sozialverband, der inzwischen in mehr als 60 Ländern der Welt vertreten ist. Am vergangenen Wochenende sind über 300 Kolping-Mitglieder aus rund zehn europäischen Staaten in Prag zusammengetroffen. Sie nahmen an der 49. internationalen Kolping-Friedenswanderung teil. Nach einem Gottesdienst im Veitsdom hat Radio Prag mit zwei Vertretern des Kolpingwerks gesprochen – mit Generalpräses Ottmar Dillenburg und mit Dagmar Kubová, die eine der Veranstalterinnen der Prager Wanderung ist.

Ottmar Dillenburg (Foto: Lothar Spurzem, CC BY-SA 2.0 DE)Ottmar Dillenburg (Foto: Lothar Spurzem, CC BY-SA 2.0 DE) Herr Dillenburg, mit welchem Ziel sind die Friedenswanderungen entstanden?

„Die Friedenswanderungen im Kolpingwerk Europa haben eine lange Geschichte. Vor fast 50 Jahren haben sich die Kolping-Mitglieder in den Ländern Westeuropas gesagt, dass sie etwas tun müssen, damit der Frieden weiter Platz greifen kann – der Frieden unter den Völkern. Dies geht am besten, wenn Menschen sich treffen. Wenn sie sich kennen, dann kann der Friede im ganz kleinen Anfang auch Wellen bis ins Große schlagen. Diese Wellen wurden Anfang der 1990er Jahre, nachdem der Eiserne Vorhang gefallen war, auch in den Osten hineingetragen. Heute ist es also eine gesamteuropäische Initiative.“

Gibt es bestimmte aktuelle Anlässe, die bei der Friedenswanderung in Prag berücksichtigt werden?

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová „Ja. Leider spielen jetzt die vielen Terroranschläge, die Ängste, die Menschen durch die Unberechenbarkeit von Terroraktionen haben, eine große Rolle. Das ist ein neuer Aspekt, der zeigt, wie wichtig es ist, das Thema Frieden und Versöhnung aufrechtzuerhalten.“

Sie sind vermutlich gerade den zweiten Tag beim Prager Treffen dabei. Was sagen Sie zur Atmosphäre, und zu dem, was Sie bisher erlebt haben?


Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová „Die Atmosphäre ist sehr angenehm. Der Gottesdienst in der wunderschönen Kathedrale war sehr stimmungsvoll. Die Atmosphäre lebt aber auch von der Geschichte: Es sind wieder viele da, die schon mehrmals dabei waren, die über Jahre und Jahrzehnte immer wieder kommen. Wenn sie in eine so herrliche Stadt wie Prag kommen, dann leben sie natürlich auf. Das ist das Schöne an den Friedenswanderungen – trotz eines solch schweren Themas kommen Menschen zusammen, die sich gerne treffen. Und noch dazu jetzt in Prag, in einer wunderschönen Stadt mit einer hervorragenden Organisation. Das macht das Ganze sehr erlebens- und lebenswert.“

Dagmar Kubová (Foto: Martina Schneibergová)Dagmar Kubová (Foto: Martina Schneibergová) Gibt es eine sprachliche Barriere oder wurde diese schon überwunden?

„Die gibt es nicht. Wenn uns die Vokabeln fehlen, verständigen wir uns mit Händen und Füßen.“

Frau Kubová, wie sind die tschechischen Kolping-Mitglieder innerhalb des internationalen Kolpingwerks positioniert?

„Die tschechischen Kolping-Familien bilden ein Kolpingwerk. Dank dieser Struktur sind wir auch Mitglied im internationalen Kolpingwerk. Jedes Mitglied einer tschechischen Kolping-Familie ist zugleich Mitglied des internationalen Kolpingwerks. Das ist eine Sache, die uns sehr stolz macht. Wenn wir derartige Zusammenkünfte haben wie die Friedenswanderung oder andere Treffen, wo Leute von allen Kontinenten kommen, ist das immer ein tolles Erlebnis.“

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Arbeiten Sie sozusagen in der tschechischen Zentrale des Kolpingwerks?

„Nein, ich bin einfach Kolping-Mitglied in der Kolping-Familie in Prag 8. Das Zentralbüro hat in Žďár nad Sázavou den Sitz, also im Herzen des Landes. Aber wir sind sehr autonom, weil wir viele Kolping-Familien in den Pfarreien haben, und die treffen sich regelmäßig.“

Wie ist das Interesse an der Arbeit des Kolpingwerks? Ich kann mir vorstellen, dass es kurz nach der Wende von 1989 ziemlich hoch war. Aber wie sieht es heutzutage aus?

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová „Das stimmt mit dem Interesse. Ich denke, wir müssen mehr für das Kolpingwerk plädieren oder aber es bekannter machen. Wenn die Menschen erfahren, was die Schwerpunkte der Arbeit sind, dann kommen sie auch. Das trifft selbst für die Jugend zu, denn wir setzen uns für das Soziale in der Kirche ein, und das spricht jeden Christen an. Das hat auch mich damals angesprochen, als ich als junger Mensch zu Kolping gestoßen bin. In den Pfarreien hierzulande ist heute alles vertreten, sowohl Gebetsgemeinschaften als auch Jugendarbeit. Aber wir haben noch zu wenige Gruppen, die sich mit den Sozialfragen in der Kirche auseinandersetzen.“

Ab Sonntag bis zum darauf folgenden Samstag können Sie abstimmen, welcher Song aus der Woche Ihnen am meisten gefallen hat. (mehr...)