Fragebogen hilft beim Autismus-Screening bei Kleinkindern

Wenn Sie Ihr Kind anlächeln, lächelt es dann zurück? Zeigt Ihr Kind auf einen Gegenstand, um Ihre Aufmerksamkeit darauf zu lenken? Das sind zwei Fragen aus einem Test, mit dem seit Neuestem auch in Tschechien kleine Kinder auf eine mögliche autistische Störung geprüft werden.

Illustrationsfoto: sixninepixels, FreeDigitalPhotos.netIllustrationsfoto: sixninepixels, FreeDigitalPhotos.net Der Autismus. Eine Krankheit, über die hierzulande in letzter Zeit immer mehr gesprochen wird. Diese Entwicklungsstörung des Gehirns beeinträchtigt vor allem die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten eines Menschen. Über die Ursachen von Autismus ist bisher nur wenig bekannt. Genaue Statistiken über die Anzahl autistischer Kinder hierzulande liegen nicht vor. Bekannt ist aber, dass die Rate steigt: Romana Straussová ist Gründerin des „Zentrums für Autismus-Therapie“:

„Man geht davon aus, dass ein Prozent aller Kinder in Tschechien Autisten sind. Die Fachleute sind sich aber darin einig, dass diese Schätzung eher nüchtern ist. Wenn man rechtzeitig beginnt, mit dem Kind zu arbeiten, kann vielen Auswirkungen der Krankheit vorgebeugt werden.“

Bei der Erkennung von Autismus hilft in Tschechien nun ein Fragebogen für Eltern von Kindern im 18. Lebensmonat. Bei einem Pilotprojekt wurden Kinderärzte geschult, wie man den Test durchführt und auswertet. Seit Januar sind die Pädiater verpflichtet, ihn den Eltern vorzulegen, die mit ihren Kindern zur Pflichtuntersuchung kommen.

„Wir haben für das Pilotprojekt die Genehmigung von der Psychologin Diana Robins aus den USA bekommen, die einen bereits bestehenden Fragebogen modifiziert und überprüft hat. Es handelt sich um den bisher besten Fragebogen, der bei Kindern die ersten Symptome von Autismus nachweist.“

Romana Straussová (Foto: Archiv des Zentrums für Autismus-Therapie)Romana Straussová (Foto: Archiv des Zentrums für Autismus-Therapie) Es gebe drei wichtige Bereiche, auf die die Eltern bei ihren Kindern aufpassen sollen, so Straussová. Erstens handle es sich um die Fähigkeit einer geteilten Aufmerksamkeit:

„Wenn das Kind eine schöne Sache findet und seinen Eltern zeigen will, geht es darum, ob es dabei gleichzeitig die Sache und die Eltern anschaut. Oder ob es einen Gegenstand zeigt und dabei versucht bei den Eltern festzustellen, ob sie sehen, was es zeigt.“

Auch ein weiteres Warnsignal können die Eltern selbst bemerken. Romana Straussová beschreibt die Situation:

„Man fährt das Kind im Kinderwagen und zeigt ihm Dinge: Schau mal, ein Vogel, schau mal, ein Hund. Und das Kind verfolgt, wohin man zeigt. Wenn es dies nicht tut, ist etwas nicht in Ordnung.“

Ein weiteres Warnsignal ist, wenn das Kind nicht auf seinen Namen reagiert und keine „So-Tun-als-ob” Spiele spielt:

„Ein gesundes Kind nimmt einen Knüppel, legt ihn ans Ohr und ‚telefoniert‘, füttert seinen Teddy und so weiter. Es spielt mit einem Auto und stellt sich vor, dass es ein richtiges Auto ist. Es backt einen Sandkuchen und füttert seine Mutter damit. Ein Kind mit Autismus nimmt den Sand und die Formen nur als Gegenstände wahr, ein Auto nur als etwas mit Rädern.“

Illustrationsfoto: sattva, FreeDigitalPhotos.netIllustrationsfoto: sattva, FreeDigitalPhotos.net Werden durch den Test Abweichungen festgestellt, können therapeutische Methoden eingesetzt werden, um die Entwicklung des Kindes zu regulieren und möglichen Symptomen von Autismus vorzubeugen. Zudem finden die Eltern unter anderem in dem „Zentrum für Autismus-Therapie“ fachgerechte Beratung und Unterstützung:

„Man muss aber wirklich früh anfangen. Wenn das Kind physisch stark ist und sich bereits gegen die Eltern wehren kann, ist es zu spät, um gezielt zu erziehen und etwas zu ändern. Die Maßnahmen sind nicht immer angenehmen, man muss manchmal auch mit dem Kind kämpfen.“