Forscher aus Prag entschlüsseln Jagdweise der Plattbauchspinnen

Tschechische Wissenschaftler haben unlängst mit ausländischen Kollegen eine interessante Entdeckung in der Tierwelt gemacht. Sie untersuchten das Jagdverhalten von speziellen Spinnen.

Foto: ČTKFoto: ČTK Haben Sie Angst vor Spinnen? Diese Frage wird Leuten nicht von ungefähr gestellt, denn das achtfüßige Tierchen ist nicht gerade jedermanns Sache. Dies bestätigte jüngst auch ein Internetvideo, in dem ein Amerikaner eine Spinne mit Hilfe seines Staubsaugers von einem Vorhang in seiner Wohnung entfernen wollte.

Andererseits sind Spinnen eines der wichtigsten Mitglieder unserer Umwelt, fangen sie doch auch viel Ungeziefer in ihren Ankernetzen ein. Doch nicht alle Arten machen das so. Die Plattbauchspinnen zum Beispiel sind frei jagende Spinnen, die keine Fangnetze spinnen. Sie bevorzugen eine ganz besondere Jagdweise. Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Pflanzenproduktion in Prag haben unlängst herausgefunden, wie sie ihre Beute erlegen. Der Zoologe und Institutsangestellte Milan Řezáč erläutert es so:

„Die Plattbauchspinnen jagen auf ganz eigenwillige Weise, indem sie die Beute mit ihren Fäden einschnüren. Das ist für Spinnen eine ganz ungewöhnliche Strategie. Sie spannen also weder ein Fangnetz aus noch stürzen sie sich auf ihre Beute.“

Milan Řezáč (Foto: Website Živa/AVČR)Milan Řezáč (Foto: Website Živa/AVČR) Die Spinne agiert indes sehr flink. Denn die klebrigen Fasern, mit denen sie Käfer und andere Insekten umwickelt, werden sehr schnell über die Beute gespannt. Dies geschieht so schnell, dass man es nicht mit bloßem Auge sehen kann. Deshalb hat das internationale Forschungsteam zur Beobachtung ihrer Jagd eine Hochgeschwindigkeitskamera verwendet. In der Zeitlupe der jeweiligen Aufnahmen war dann zu erkennen, wie eine Plattbauchspinne ihre Beute zunächst mit einem schnell trocknenden Klebstoff fixiert. Gleich danach umkreist die Spinne ihr Opfer und wickelt sie mit ihrem klebrigen Gewebe weiter ein. Das Gewebe widersteht dabei einer Reibung, die 750 Mal größer ist, als sie synthetische Klebstoffe aushalten können.

Die Wissenschaftler wollten natürlich auch herausfinden, wie sie dieses Gewebe produziert. Denn im Gegensatz zu anderen Spinnenarten haben Plattbauchspinnen wesentlich weniger Drüsen, aus denen sie ihre Fäden herauspressen. Die wenigen Drüsen, die sie haben, sind dafür umso größer, schildert Řezáč.

Foto: ČTKFoto: ČTK Die Ergebnisse der Forschungen der Wissenschaftler aus Prag wurden erst kürzlich in der renommierten Zeitschrift Journal of Experimental Biology veröffentlicht. Dabei informierten die Biologen auch über die natürlichen Feinde der Plattbauchspinnen. Zu ihnen gehören die Wegwespen. Mit ihrem Stachel stechen sie die Spinne, wodurch diese gelähmt wird. Was danach mit ihr geschieht, erklärt Milan Řezáč:

„Die Wespe macht aus der erbeuteten Spinne eine lebende Konserve für ihre Nachkommen. Denn später legt sie ihre Eier an der Spinne ab, und wenn dann die Larven schlüpfen, machen sie sich gleich daran, die noch lebende Spinne zu fressen.“

Die Familie der Plattbauchspinnen (Gnaphosidae) umfasst weltweit 2196 Arten in 124 Gattungen (Stand: Juli 2017). Davon sind in Mitteleuropa 105 Arten in 21 Gattungen vertreten. Die meisten Arten leben am Boden, unter Steinen und ähnlichem. Einige Arten besiedeln Baumrinde. Solche Arten werden dann auch in Häusern gefunden.