Tagesecho "Fliegende Pershing" - Widerstandskämpfer bekommen umstrittenes Denkmal

26-05-2006 15:56 | Thomas Kirschner

Seit Donnerstag ist Prag um ein Denkmal reicher: An den Widerstand der Jahre 1938 bis 1945 mahnt seitdem auf dem Klarov-Platz auf der Prager Kleinseite eine Bronzeskulptur in Form einer zerrissenen tschechoslowakischen Flagge, entworfen von dem renommierten Bildhauer Vladimir Preclik. Damit hat ein jahrelanger Streit um das Denkmal seinen faktischen Schlusspunkt gefunden. Mehr dazu von Thomas Kirschner.

Download: MP3

Foto: CTKFoto: CTK Ursprünglich hatte das Denkmal bereits vor einem Jahr, zum 60. Jahrestag des Kriegsendes, und in ganz anderer Form eingeweiht werden sollen: Eine Auswahl-Kommission hatte sich für den Entwurf des jungen Bildhauers David Cerny entschieden, der mit seinen kontroversen Arbeiten auch international immer wieder für Aufsehen sorgt. Widerspruch kam gegen die Wahl von dem national-traditionalistischen "Verband der Freiheitskämpfer". Dort hatte man Bedenken, dass der bekennende Antikommunist Cerny den Opfern des Widerstandes keine Ehre entgegenbringe - was Cerny gegenüber Radio Prag entschieden zurückweist:

"Ich will daran nichts verwaschen, dass Menschen sich entschlossen haben, ihr eigenes Leben für den Kampf gegen etwas evident Schlechtes einzusetzen. Das erkenne ich an: Der Kampf gegen Hitler, das war wirklich etwas Heldenhaftes."

Zwei schwingende stählerne Fahnen hatte Cerny für das Mahnmal entworfen, durchbrochen von menschlichen Profilen, die für die Opfer der NS-Herrschaft in der Tschechoslowakei stehen, und zugleich angeordnet sind zu einem "Korridor der Schande" für die übergroße Mehrheit, die das System schweigend ertragen hat. Nach der Ablehnung des Entwurfes durch den tschechischen Verband der Freiheitskämpfer sind die Vertreter des ersten Prager Stadtbezirkes auf den traditionalistischen Entwurf Precliks umgeschwenkt - für den letztlich unterlegenen David Cerny eine unwürdige Lösung:

"Dazu gibt es eine kleine Geschichte: Als ich den Wettbewerb gewonnen hat, war ich danach auf dem Bezirksamt, um das Projekt mit einer Architektin durchzusprechen. Und die hat gemeint: ´Gott sei Dank, dass nicht Preclik gewonnen hat - das ist ein Entwurf wie aus dem Jahr 1912! Das wäre schon 1925 nicht mehr durchgekommen, weil sich das schon die Moderne durchgesetzt hatte.´ Ich meine, das ist ein anachronistischer, unsinniger Entwurf, ein Rückzieher vor den Kommunisten und arrogant gegenüber dem Raum. Das sieht ungefähr aus wie eine fliegende Pershing-Rakete."

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