Tagesecho Fiala: Im humanitären Bereich wird nicht nach religiöser Orientierung der Helfer gefragt

25-06-2003 | Martina Schneibergová

Im Zusammenhang mit dem immer näher rückenden EU-Beitritt des Landes fragte ich den Präsidenten des Tschechischen Caritasverbandes, Miloslav Fiala, nach seinen Erfahrungen mit der Zusammenarbeit mit den EU-Ländern. Er wies darauf hin, dass bei der internationalen Kooperation im humanitären Bereich keiner nach der religiösen Orientierung der Organisation, sondern eher nach deren konkretem Engagement fragt:

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Foto: www.charita.czFoto: www.charita.cz "Unsere innere Motivation für die Arbeit ist christlicher Prägung - das ist selbstverständlich, aber in der praktischen Zusammenarbeit mit anderen humanitären Organisationen - staatlichen oder anderen, christlichen oder säkularen - können wir unseren Katholizismus nicht benutzen. Wir müssen pragmatisch zusammenarbeiten - im Sozialbereich, an allen unseren Projekten. Wir müssen uns so pragmatisch präsentieren wie andere Organisationen. Ich habe gelesen, dass Professor Paul Zulehner aus Wien - ein Pastoraltheologe - vor kurzem erklärte, dass die Welt von 85 Prozent pragmatisch ist - was die Orientierung anbelangt. Wenn wir konkurrenzfähig sein sollen, dann müssen wir uns an dieser pragmatischen Linie halten."

Bedeutet das, dass die christlich orientierten Organisationen etwas realistischer sein sollten? Dazu noch einmal Miloslav Fiala:

"In den Diskussionen fehlt oft dieser realistische Blick - man ist allzu sehr idealistisch - entweder skeptisch wie bei uns in Tschechien oder idealistisch - aber wir müssen uns in der Mitte uns bewegen. Wir müssen die allgemeine Tendenz respektieren, die jetzt nicht nur in Westeuropa, sondern auch in Mittel- und Osteuropa herrscht. Wir müssen also christlich und akzeptabel sein, aber man muss in der täglichen Praxis so auftreten und so sich präsentieren wie andere Organisationen, und die Motivation, die christlichen Ideen sind unser Hauptgesetz, aber darüber kann man nicht sprechen, sonst würde man uns kaum akzeptieren und man würde uns für ärmere Brüder - zwar gute Menschen, aber sonst nichts mehr - halten. Und das wäre schlecht."

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