Tagesecho Festival „Mene Tekel“ warnt vor Totalitarismus
Ausstellungen, Filmvorstellungen, Konzerte, Vorträge und Diskussionen –damit gefüllt ist auch in diesem Jahr das Programm des internationalen Festivals „Mene Tekel“, das seit Montag in Prag veranstaltet wird. Zu den herausragenden Programmteilen gehören beispielsweise Ausstellungen über den Widerstand der Litauer gegen das sowjetische kommunistische Regime, über das Revolutionsjahr 1956 in Ungarn oder über die Manipulierung von Kindern durch die kommunistische Propaganda in der ehemaligen Tschechoslowakei.
Foto: ČT24
Ziel des Festivals ist es, an die Gräueltaten der kommunistischen Regime
zu erinnern und dabei vor allem die historischen Kenntnisse der jungen
Generation zu ergänzen. Initiiert wurde das Festival vor vier Jahren von
der Bürgerinitiative „Kunst ohne Barrieren“, die das Programm mit
mehreren Institutionen zusammenstellte. Beteiligt daran ist auch das Prager
Institut für das Studium totalitärer Regime. Radio Prag sprach mit dem
Leiter des Instituts, Daniel Herman:
Herr Herman, wie beteiligt sich das Institut für das Studium totalitärer
Regime am Festival „Mene Tekel“?
Daniel Herman
„Wir nehmen am Festival schon immer Teil. Wir organisieren verschiedenen
Aktivitäten: Ausstellungen, Vorlesungen sowie die Moderation der einzelnen
Veranstaltungen. Ich finde das Festival ´Mene Tekel´ sehr wichtig, weil
es an den kommunistischen Putsch erinnert, bei dem am 25. Februar 1948 die
Kommunisten mit Gewalt die Macht in der Tschechoslowakei ergriffen haben.
Es folgten vier Jahrzehnte Totalitarismus. Das kommunistische Regime war
wirklich sehr brutal. Ich bin davon tief überzeugt, dass es vor allem für
die junge Generation wichtig ist, darüber zu sprechen, daran zu erinnern,
und – wenn das möglich ist – eine Immunität gegenüber jedweder Art
vom Totalitarismus zu entwickeln.“
Wie erklären Sie sich die Tatsache, dass der Kommunismus im Unterschied zum Nationalsozialismus international immer noch toleriert wird?
Foto: ČT24
„Ich meine, dass dieser Unterschied zwischen den beiden totalitären
Regimen damit zusammenhängt, dass die Kommunisten nach dem Zweiten
Weltkrieg an dem Bündnis der Siegermächte beteiligt waren. Im dem Moment,
in dem die Gräueltaten der Nationalsozialisten enthüllt und verurteilt
wurden, wurden in der Sowjetunion dieselben Untaten von den Kommunisten
begangen. Aber darüber wollte damals niemand sprechen. Die Sowjetunion war
ein wichtiges Mitglied der Siegerkoalition, und darin besteht der große
Unterschied. Aber natürlich ist es inzwischen völlig klar, wie brutal die
kommunistischen Regime in der Welt handelten und handeln. Wir, die eine
Erfahrung mit so einem Regime haben, müssen darüber sprechen und aus der
Erfahrung eine Mahnung für künftige Generationen machen. Das ist unsere
Aufgabe. Aus dem Grund halte ich es für sehr wichtig, dass es solche
Veranstaltungen wie das Festival ´Mene Tekel´ gibt – und dass sie
regelmäßig stattfinden.“
Foto: ČT24
Das Festival geht bis zum Sonntag. Es wird mit einem ökumenischen
Gottesdienst im Prager Veitsdom beendet. Die Ausstellungen zum Thema
„Totalitarismus in Kunst und Bildung“ sind im Prager Karolinum noch bis
zum 5. März zu sehen. Mehr über das Festival erfahren Sie unter
www.menetekel.cz








