Ferdinand II., Förderer der Kunst in Böhmen

Eine große Ausstellung zeigt das Wirken von Erzherzog Ferdinand II. von Tirol in Prag zu Ende des 16. Jahrhunderts.

Ferdinand II. von Tirol (Foto: Martina Schneibergová)Ferdinand II. von Tirol (Foto: Martina Schneibergová) Erzherzog Ferdinand II. von Tirol war der zweite Sohn von Kaiser Ferdinand I. und Anna Jagiello von Böhmen. Als Statthalter in den Böhmischen Ländern hat er vor allem das Leben in Prag beeinflusst. Nun wird Ferdinand von Tirol in einer großen Ausstellung vorgestellt, die am Donnerstag in Prag eröffnet wurde. Der Anlass ist ein Doppeljubiläum: Vor 470 Jahren kam Ferdinand II. nach Prag, wo er seinen Vater vertrat. Und vor 450 Jahren wurde er zum Erzherzog von Tirol ernannt. Die Prager Ausstellung lehnt an eine Schau auf Schloss Ambras in Innsbruck an. Ein Team von tschechischen und österreichischen Historikern und Kunsthistorikern hat sich an der Zusammenstellung der Ausstellung beteiligt. Beket Bukovinská vom Prager Institut für Kunstgeschichte hat für Radio Prag vor der Eröffnung der Schau einige Fragen beantwortet.

Frau Bukovinská, warum wird Ferdinand als „Begründer des ersten Museums“ bezeichnet?

„Er hat als erster mehrere Sammlungen zusammengestellt. Dazu gehörten eine Heldenkammer, eine Rüstkammer, eine Kunstkammer und eine Bibliothek. Später wurden diese Sammlungen als Museum angesehen, darum wird er als Begründer des ersten Museums bezeichnet. Zudem ist wichtig, dass für die Sammlungen ein spezielles Gebäude erbaut wurde.“

Beket Bukovinská (Foto: Archiv AV ČR)Beket Bukovinská (Foto: Archiv AV ČR) Sie haben die Exponate aus Ferdinands Kunstkammer für die Prager Ausstellung ausgesucht. Welche davon würden Sie den Besuchern besonders empfehlen?

„Es ist schwierig, nur einige Exponate zu nennen. Ich denke, die Prager Ausstellung ist deswegen so wichtig, weil sie so komplex aufgebaut ist. Sie dokumentiert die kompletten 20 Jahre, während deren Ferdinand seinen Vater in Prag vertreten hat. Es gibt da auch mehrere Exponate, die in Ambras nicht zu sehen waren. Die Schau beschreibt aber ebenso die Zeit, die Ferdinand in Ambras verbracht hat. Neben der Kunstkammer sind auch Beispiele aus der Rüstkammer zu sehen, denn diese ist bis heute erhalten und unheimlich groß.“

Hat Ferdinands Kunstkammer später Kaiser Rudolf von Habsburg inspiriert?

„Bestimmt. Wir wissen nicht, in welchem Zustand sie war, als Rudolf sie gesehen hat. Einige Sachen aus der Kunstkammer haben Rudolf aber fasziniert, und sie war ein wichtiges Vorbild für ihn.“

Die Ausstellung über Ferdinand von Tirol ist in der Waldstein-Reitschule zu sehen, sie läuft bis 25. Februar 2018. Die Ausstellung ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Wie erklären Sie sich, dass Erzherzog Ferdinand hierzulande kaum bekannt ist?

„Das ist für mich auch unbegreiflich. Wahrscheinlich liegt das daran, dass man vor 1989 eigentlich kaum über die Habsburger sprechen durfte. Im Geschichtsunterricht hat man über Erzherzog Ferdinand II. nichts erfahren. Wir wollten schon 1976 eine Ausstellung über Rudolf von Habsburg zusammenstellen. Das war aber nicht möglich, weil er eben Habsburger war. Die Prager wissen aber zumindest, dass Ferdinand das Sommerschloss Stern erbauen ließ.“