Tagesecho Febiofest: Daniel Brühl zu Besuch – erstmals Amnesty-International-Preis

09-03-2016 16:20 | Martina Schneibergová

Das internationale Filmfestival Febiofest ist vor allem ein Stelldichein für alle Fans des europäischen Kinos. Fast 600 Vorführungen stehen beim 23. Jahrgang in Prag auf dem Programm. Gezeigt werden 150 Filme aus 56 Ländern. Zu den prominenten Gästen gehören der deutsche Schauspieler Daniel Brühl und die spanische Filmdiva Carmen Maura. Das Febiofest wird am 17. März eröffnet, der Kartenverkauf hat am Mittwoch begonnen. Mehr zum Festival im Interview mit Programmdirektor Štefan Uhrík.

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Štefan Uhrík (Foto: Tomáš Vodňanský, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Štefan Uhrík (Foto: Tomáš Vodňanský, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Herr Uhrík, wie haben Sie Daniel Brühl für das Febiofest gewinnen können?

„Ich habe verschiedene Geschichten mit Stars erlebt, die nach Prag kommen. Manche sind sehr lang. Diese Story ist ganz kurz. Ich war bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises in Berlin. Und ich wusste, dass einer der letzten Filme, die Brühl gemacht hat, auch in Prag im Programm ist. Das ist der Film ‚Colonia‘. Bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises habe ich ihn getroffen und gefragt, ob er nicht nach Prag kommen will. Und er hatte Zeit. Das ist alles.“

Er ist nicht der einzige Filmstar, der kommt. Zudem sind auch namhafte Drehbuchautoren und Regisseure angekündigt…

Daniel Brühl (links)Daniel Brühl (links) „Leider trifft Daniel Brühl nicht Peter Morgan, weil Peter Morgan erst ganz am Ende kommt. Aber sie haben sich schon einmal bei dem Film ‚Rush‘ getroffen. Daniel Brühl spielt dort Niki Lauda – hervorragend, das ist eine der besten Rollen von ihm. Peter Morgan ist für mich ein Stargast. Er ist ein fantastischer Drehbuchautor. Meine Frau und ich sind beide Drehbuchautoren, und wir wissen, wie wichtig es ist, ein gutes Drehbuch zu haben. Dann bin ich auch sehr stolz, dass eine spanische Diva – Carmen Maura – kommt. Oder der schottische Schauspieler und Regisseur Peter Mullan. Wir wollten ihn schon vor ein paar Jahren einladen, aber damals hatte er keine Zeit.“

Sie haben auch einen norwegischen Drehbuchautor eingeladen, der jedoch nicht nur für die Norweger schreibt. Wie kam es dazu?

Peter Morgan (Foto: aphrodite-in-nyc, CC BY 2.0)Peter Morgan (Foto: aphrodite-in-nyc, CC BY 2.0) „Dieses Jahr wird das Febiofest ein Festival der Drehbuchautoren sein. Neben Peter Morgan ist auch Bjørn Olaf Johannessen zu Gast. Er ist ein norwegischer Autor, der nicht nur in Norwegen viel schreibt. Er hat ein fantastisches Drehbuch für Wim Wenders geschrieben. Er hat auch ein Drehbuch für eine belgische Regisseurin verfasst. Ich frage mich, wie er das alles schafft. Ich werde ihn danach fragen, wenn er hier ist.“

Diesmal gibt es eine Filmsektion speziell zum Thema Flüchtlinge. Aber es geht vermutlich nicht nur um jene Flüchtlinge, die wir jeden Tag im Fernsehen sehen?

„Wir haben das Thema etwas ausgeweitet. Ein Film über somalische Piraten zeigt zum Beispiel, warum es somalische Flüchtlinge gibt. Ich wäre auch ein Flüchtling, wenn ich in Somalia leben würde. Wir haben auch einen Film über einen Vater und einen Sohn, die jahrelang ihre Tochter beziehungsweise Schwester suchen. Sie ist mit einem Dschihadisten geflüchtet. Das ist auch ein Film, der das Thema aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet. Und dann zeigen wir noch einen schönen, etwas experimentellen Film: ‚Fallow‘. Es handelt sich um das Debütwerk eines belgischen Regisseurs. Der Film spielt im Dschungel von Calais. Es geht nicht um einen Syrer, sondern um einen von uns, einen Europäer, der in eine bessere Welt flüchten will.“

Das Filmfestival wird von 17. bis 25. März in den Prager Kinos Cinestar Anděl und Cinestar Černý Most veranstaltet. Eine Auswahl von Festivalfilmen wird von 29. März bis 21. April in weiteren 14 tschechischen Städten. Mehr über das Festival unter www.febiofest.cz

Das Febiofest hat vergangenes Jahr an den ukrainischen Regisseur Oleg Senzow gespendet. Er wurde in Russland zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Dieses Jahr gibt es das erste Mal einen Preis, der in Zusammenarbeit mit Amnesty International verliehen wird. Was war der Beweggrund?

„Man könnte sagen, dass wir den Preis spirituell Oleg gewidmet haben. Aber der Preis heißt einfach Amnesty-International-Febiofest-Award. Wir haben zehn Filme ausgesucht, in denen es um Menschenrechte geht. Drei Filme sind sogar aus dem Iran. Eine Jury wird entscheiden, wer den ersten Amnesty-International-Febiofest-Award gewinnt. Hoffentlich kann Oleg Senzow den Preis eines Tages dem Gewinner verleihen.“

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