Tagesecho Exkjus mi plies, wo ist bitte die Karlsbridsch? – tschechische Studenten helfen Touristen
Wer im Sommer durch Prag spaziert, der entdeckt an verschiedenen Orten Polizeibusse. Dabei handelt es sich nicht um großangelegte Fahndungsaktionen quer durch die Stadt – die Prager Stadtpolizei hilft Touristen und steht bei Fragen zur Verfügung. Da viele Touristen aus dem Ausland kommen, hat die Stadtpolizei Studenten an ihrer Seite, die beim Übersetzen helfen. Einer dieser Studenten ist Martin Landa. Er beantwortet täglich Touristen-Fragen und kommt manchmal nicht umhin, sich sein Lachen zu verkneifen.
Es ist heiß und laut, Menschen drängen sich durch die Fußgängerzone am
unteren Ende des Wenzelsplatzes. Touristengruppen werden nach oben zur
Wenzelsstatue gelotst. Mittendrin, an der Metrostation Můstek, steht ein
weißer Polizeibus. Davor ist ein kleiner Plastiktisch mit
Informationsbroschüren für Touristen aufgebaut. Zwischen den
uniformierten Polizisten steht ein junger Mann in blauem Poloshirt. Es ist
Martin Landa, der auf den ersten Blick nicht wirklich zu den Polizisten
passt.
„Wir tragen keine Uniformen, sondern nur T-Shirts mit dem
Stadtpolizeilogo. Darum gehe ich manchmal zu den Touristen hin und frage:
‚Hello, hello, what do you want?’ Die Leute gucken mich dann an, nach
dem Motto: ‚Hm, mit dir spreche ich lieber nicht, ich gehe zu den
Polizisten!’ Dann fragen sie die Polizisten, aber wenn die dann die
Sprache nicht richtig beherrschen, zucken sie mit den Schultern und sagen:
‚Fragen Sie bitte da.’ – also bei mir.“
Martin Landa ist der einzige, der fließend Deutsch und Englisch spricht.
Darum habe er manchmal mehr zu tun als die Polizisten, erklärt der
Student. Die Stadtpolizei Prag 1 und der Magistrat in Prag haben den
Touristendienst vor etwa zehn Jahren eingeführt. Damit sollte ein guter
Kontakt zwischen den Touristen und der Stadt hergestellt werden. Das Modell
hat sich bewährt. Somit stehen jedes Jahr, von Juni bis September, die
Polizeibusse an den wichtigsten Plätzen in Prag.
„Wir sind auf dem Wenzelsplatz, auf dem Altstädter Ring, bei der Bahnstation Anděl, die in Smíchov liegt, in Petřiny und Dejvice. Wir sind während der Sommerzeit für die Touristen da, aber im Winter gehen die Stadtpolizisten auch durch die Straßen und helfen, wenn Hilfe benötigt wird.“
Foto: Alfonso Romero, www.sxc.hu
Martin Landa arbeitet von 10 Uhr bis 21 Uhr und hat insgesamt eine Stunde
Pause. Dabei verdient er 80 Kronen in der Stunde, das sind etwa 3 Euro. Das
sei Mittelmaß für Studenten, sagt er. Auch wenn die Bezahlung besser sein
könne, mag der 20-Jährige seinen Job. Für ihn sei es wichtig, Menschen
zu helfen. Außerdem könne er gleichzeitig seine Sprachkenntnisse
verbessern.
„Die am meisten gestellte Frage ist: ‚Wo bitte ist die Karlsbrücke?’ Oder: ‚Wann kann man sich die Astronomische Uhr anschauen?’ Die Fragen sind meistens nicht kompliziert. Es gibt aber auch Touristen, die interessante Fragen stellen, wie zum Beispiel: ‚Wo kann man hier das beste Bier trinken?’ Aber es ist wahr, dass einige Touristen freundlich sind und einige weniger freundlich. Einige kommen und sagen: ‚Hallo, ich wollte fragen, ob … und ist es möglich, dass, … .’ Andere stellen sich nicht einmal vor und keifen nur: ‚WO IST DIE KARLSBRÜCKE?’ – Jeder Tourist ist anders.“







