Tagesecho „Evoluce 4 z Revoluce“ – TV-Dokument begleitete vier Persönlichkeiten 20 Jahre lang mit der Kamera
Jan Ruml, Michael Kocáb, Martin Mejstřík und Kryštof Řimský. Drei Politiker und ein Schauspieler, aber auch ein Rockmusiker, ein Schriftsteller, ein ehemaliger Arbeiter und ein Ex-Junkie. 20 Jahre lang haben diese vier Persönlichkeiten ihr Privatleben mit einem Kamerateam geteilt. Von der Samtenen Revolution bis zum November des Vorjahres. Nun ist der Dokumentarzyklus fertig und ab nächster Woche im Tschechischen Fernsehen zu sehen.
Kryštof Řimský im Film „Evoluce 4 z Revoluce“
November 1989, hunderttausende Menschen demonstrieren auf dem Prager
Wenzelsplatz und an zahlreichen weiteren Orten gegen das kommunistische
Regime. Das ist der gemeinsame Ausgangspunkt des vierteiligen
Dokumentarzyklus. Alle vier Persönlichkeiten nehmen an den Demonstrationen
teil. Zwei von ihnen übernehmen im neu entstehenden demokratischen System
wichtige Aufgaben: Der Rockmusiker Michael Kocáb zieht in die
tschechoslowakische Föderalversammlung ein, 20 Jahre später wird er
Minister für Minderheiten und Menschenrechte. Der Unterzeichner der Charta
77 Jan Ruml wird zunächst Minister-Stellvertreter und später
langjähriger Innenminister. Im Gespräch mit Radio Prag blickt Ruml auf 20
Jahre in Gesellschaft eines Kamerateams zurück:
Jan Ruml im Film „Evoluce 4 z Revoluce
„Für die Risiken, die die Dreharbeiten mit sich bringen, bekommt man
die Möglichkeit, durch die einzelnen Personen auf diese 20 Jahre
zurückzublicken. Das ist eine große Gelegenheit, sich auf die Suche nach
einer Antwort zu machen, vielleicht nach Botschaften zu suchen. Dabei sind
nicht die Protagonisten das wichtigste. Natürlich haben sie diese Zeit
beeinflusst, aber auch sie sind durch diese Epoche geprägt worden. Die
Filme sind einfach eine Aussage über 20 Jahre unseres Lebens.“
Die Kamera verfolgte alles, die Drogensucht des Schauspielers Řimský ebenso wie die Lebens- und Beziehungskrisen des Autors und zeitweiligen Senators Mejstřík. Gab es nicht Momente, an denen man als Protagonist das Kamerateam einfach hinauswerfen wollte? Dazu sagt Jan Ruml:
Michael Kocáb
„Ja, klar, am Anfang. Da haben wir und das Team oft gesagt: Schluss, das
war der letzte Dreh. Aber es kamen dann immer neue Aspekte hinzu. Und
irgendwann ist das Kamerateam Teil der Familie geworden und wir haben seine
Anwesenheit gar nicht mehr wahrgenommen.“
Immer wieder sei das über 20 Jahre laufende Projekt ins Stocken geraten, verrät Regisseur Jan Šikl, aber immer sei der Wille zum Weitermachen stärker gewesen. Auch nach dem überraschenden Tod des ersten Regisseurs Pavel Koutecký im Jahr 2006:
Jan Šikl (Foto: A. Gabrielová, www.rajce.net)
„Damals hat es zwei Jahre gedauert, bis wir mit dem Zyklus weitermachen
konnte. Deshalb sind uns einige wichtige Ereignisse entgangen. Etwa bei
Michael Kocáb die Trennung von seiner Band ‚Pražský výběr’.“
Diese Lücke zu füllen sei nach zwei Jahren kaum mehr möglich gewesen. Trotzdem sei für ihn sofort klar gewesen, dieses Projekt müsse zu Ende gedreht werden. Schon aus Respekt vor Pavel Koutecký und den vier Protagonisten, so Regisseur Šikl im Radio-Prag-Interview.
Das Dokumentarfilmprojekt „Evoluce 4 z Revoluce“ ist ab dem kommenden
Montag (8. 11.) im Tschechischen Fernsehen zu sehen. Nähere Informationen
dazu finden sie auf den Internetseiten des Tschechischen Fernsehens:






