Tagesecho Europaweit agierende Fälscher-Gang aus Ostrava ausgehoben

18-03-2010 15:28 | Christian Rühmkorf

In Tschechien wurde unter internationaler Beteiligung eine der größten Fälscher-Gangs Europas hochgenommen. Von Ostrava / Ostrau aus erhielten Menschen aus vieler Herren Länder eine neue Identität, konnten damit illegal in die verschiedensten europäischen Länder einreisen und dort sogar unter falschem Namen Betrugsdelikte begehen.

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Das mährisch-schlesische Ostrava / Ostrau war die Zentrale des europaweit agierenden Fälscherrings. Herr über neue Identitäten und Meister seines Fälscherfaches war ein 41-jähriger in Ostrava lebender Albaner. Eng mit ihm zusammengearbeitet hatte auch eine 61-jährige Tschechin, wie der Direktor der Polizei-Sondereinheit zur Aufdeckung des organisierten Verbrechens, Robert Šlachta, berichtete:

Robert ŠlachtaRobert Šlachta „Sie war so etwas wie ein Knotenpunkt. Denn der Albaner trat nie direkt in Kontakt mit anderen, sondern blieb immer im Hintergrund. Sie hat also die Vermittlungen und Übergaben erledigt.“

Die außerordentliche Qualität der gefälschten Personaldokumente stellte für die Ermittler eine harte Nuss dar, so Šlachta. Der Fälscher stellte sie aus gestohlenen Ausweisen her, aber auch aus Blanko-Vordrucken von Personlausweisen, die vor zehn Jahren aus einem Polizeiwagen in Ostrava entwendet worden waren. Bei der Wohnungsdurchsuchung fanden die Ermittler über 300 tschechische Pässe, mehr als 100 Personalausweise und Dutzende von Blanko-Geburtsurkunden. Der Preis für ein gefälschtes Dokument lag zwischen 1000 und 2100 Euro.

Der albanische Fälscher versorgte mit seinen Pässen und Personalausweisen unter anderem iranische Migranten in Deutschland, die nach Kanada ausreisen wollten; Papiere aus der Ostrauer Werkstatt waren aber auch für viele andere Länder vorbereitet. Die Polizei spürte gefälschte Dokumente unter anderem auch in Großbritannien und in Spanien auf. Gerade in Spanien gab es die ersten Hinweise, dass die neuen Identitäten nicht nur zum Reisen, sondern auch zum Beispiel für die Beschaffung von Bankkrediten missbraucht wurden. Pavel Zeman von der europäischen Justizbehörde, kurz Eurojust:

„Die Fälscher-Firma hat mit Menschen aus ganz Europa zusammengearbeitet. Das bedeutet, dass sich die Geschädigten in verschiedenen Staaten der Europäischen Union zu finden sind. Der Schaden beträgt 175.000 Euro – mindestens.“

IllustrationsfotoIllustrationsfoto Den Einsatz gegen die Fälscher-Bande hatte die tschechische Polizei initiiert. In Tschechien festgenommen wurden noch ein in Mähren lebender Brite und ein Rumäne. Insgesamt waren Ermittler aus acht Ländern am Einsatz beteiligt. Zumindest vorläufig hinter Gitter gebracht wurden 18 Tatverdächtige aus vier verschiedenen Staaten, die meisten davon in Spanien. Das sind die ersten Früchte der einjährigen Ermittlungsarbeit. Mit weiteren Festnahmen wird gerechnet.

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