Tagesecho Europawahlen: Test der Zufriedenheit vor vorgezogenen Neuwahlen
Zum zweiten Mal in der Geschichte wählen die tschechischen Bürger ihre Vertreter im Europäischen Parlament. Die Wahllokale wurden in Tschechien am Freitag um 14 Uhr geöffnet.
Foto: www.eu2009.cz
Insgesamt 22 Sitze wird Tschechien im neuen Europäischen Parlament haben.
Um die Mandate bewerben sich dieses Jahr 708 Kandidaten von 32 politischen
Parteien, Bewegungen und Gruppierungen. Über die nächsten tschechischen
Europaabgeordneten können mehr als acht Millionen wahlberechtigte Bürger
entscheiden.
Die Wähler werden mit ihren Stimmen aber nicht nur darüber entscheiden, wer sich in den nächsten fünf Jahren an der Ausrichtung der Europäischen Union beteiligen wird. Die Wählerstimmen dürften zudem auch die tschechische Politszene beeinflussen. Denn die Europawahlen gelten als Test der Zufriedenheit mit den politischen Parteien vor den vorgezogenen Neuwahlen zum Abgeordnetenhaus, die im Herbst stattfinden.
Ex-Präsident Václav Havel (Foto: ČTK)
Allzu viel Aufschluss für den Ausgang der Parlamentswahlen werden die
Europawahlen jedoch nicht geben. So lag die Beteiligung bei den
Europawahlen 2004 in Tschechien nur bei 29 Prozent und damit nur rund halb
so hoch wie bei den letzten Parlamentswahlen. Im Übrigen konnten die
Tschechen vor fünf Jahren noch 24 Europaabgeordnete bestimmen. Doch die
Gesamtzahl der Sitze im Europaparlament wurde reduziert – und dadurch
verlor auch Tschechien Mandate. Der Politikwissenschaftler Pavel Šaradín:
Jan Fischer (Foto: ČTK)
„Hintergrund ist, dass zwischen 2004 und 2009 zwei neue Länder der EU
beigetreten sind – Bulgarien und Rumänien. Die Zahl der
Europaabgeordneten kann natürlich nicht endlos steigen. Nach der jüngsten
EU-Erweiterung wurde daher die Gesamtzahl der Europaparlamentarier der
einzelnen Mitgliedstaaten reduziert. Darum hat Tschechien diesmal 22
Abgeordnete, also zwei Abgeordnete weniger als bei den Europawahlen vor
fünf Jahren.“
Die Wahllokale in Tschechien werden am Samstag um 14 Uhr geschlossen. Trotzdem erfahren die tschechischen Bürger die Wahlresultate erst in der Nacht auf Montag. Eine europäische Regelung schreibt vor, dass die mit der Stimmenauszählung erst am Sonntag um 22 Uhr begonnen werden darf – also erst dann, wenn die Abstimmung in allen EU-Ländern beendet ist.
Die Ergebnisse werden wie üblich vom Tschechischen Statistikamt
veröffentlicht. Einen Unterschied wird es diesmal auch dort geben: Zum
ersten Mal wird das Amt die Wahlresultate ohne seinen langjährigen Leiter
Jan Fischer bearbeiten. Fischer leitet seit einem Monat das
Übergangskabinett, das in Tschechien nach dem Sturz der
liberal-konservativen Regierung Topolánek regiert.








