Tagesecho EU-Drogenbericht: Tschechien steckt alle in die Tüte

23-11-2006 15:11 | Thomas Kirschner

Die Drogenbeobachtungsstelle der EU hat am Donnerstag in Brüssel ihren Jahresbericht zum Drogenkonsum in Europa vorgestellt. Wie Tschechien darin abschneidet, das erfahren Sie von Thomas Kirschner.

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Die gute Nachricht vorweg: trotz erheblich fallender Marktpreise für Heroin und Kokain ist auch in Tschechien allgemein kein deutlicher Anstieg des Konsums von harten Drogen zu beobachten. Damit fügt sich die Tschechische Republik in das europäische Bild ein. Ganz anders sieht es aber bei weichen Drogen aus: Hier stehen die Tschechen europaweit auf Platz eins. 11,5 Tonnen Haschisch und Marihuana werden Schätzungen zufolge hierzulande jährlich verraucht und verbacken - Cannabis-Produkte stehen damit auf Platz Eins der illegalen Drogen in Tschechien, gefolgt von den harten Drogen Pervitin, Heroin und Ecstasy, so der Leiter des tschechischen Drogenbeobachtungszentrums Victor Mravcik:

"Ein Fünftel der Erwachsenen in Tschechien haben Erfahrung mit Marihuana, also sie haben wenigstens einmal im Leben gekifft, davon die Hälfte, also zehn Prozent der Gesamtbevölkerung, innerhalb des letzten Jahres. Mit Ecstasy hatten etwa sieben Prozent schon einmal zu tun."

Eine Sonderstellung nimmt Tschechien auch bei Methamphetamin ein, besser bekannt als Crystal oder eben Pervitin. Der massive Missbrauch dieser synthetischen harten Droge ist in Europa praktisch auf Tschechien begrenzt, hier hat Pervitin allerdings eine lange Tradition. Derzeit gibt es in Tschechien rund 20.000 Pervitin-Junkies, Heroin ist nur etwa halb so verbreitet. Eine Drogenkarriere hat auch der 30-jährige Josef aus Prag hinter sich. Nach drei Jahren Abhängigkeit war der fünfte Entzug aber schließlich erfolgreich:

"Der Bruch war für mich, als ich mir definitiv eine Überdosis gesetzt hatte und einfach auf der Straße liegen geblieben bin. Damals habe ich geglaubt, dass es jetzt wirklich aus ist. Nach mehreren Versuchen habe ich genau gewusst, wie man stirbt. Bei minus zehn Grad habe ich ziemlich lange so dagelegen. Gerettet haben mich Leute, die zufällig vorbei gekommen sind. Als ich dann auf der Intensivstation aufgewacht bin und nachgedacht habe über die Leute, die mir geholfen haben, da habe ich verstanden, dass es nicht geht, einfach so zu sterben, sondern dass ich etwas bei mir ändern muss."

Nicht jeder allerdings schafft den Ausstieg, und so ist in Tschechien ein steigender Missbrauch Subotex zu beobachten - das Medikament dient beim Heroinentzug als Drogenersatz.

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