Tagesecho EU-Agrarreform: Tschechische Bauern fühlen sich benachteiligt
Die Europäische Kommission hat ihre Reformvorschläge für die Agrarpolitik in der EU vorgestellt. Aus tschechischer Sicht bergen sie viel Zündstoff. Vor allem die geplante neue Obergrenze für Direktzahlungen könnte fatale Folgen haben für die landwirtschaftlichen Betriebe in Tschechien.
Foto: Europäische Kommission
Weniger bürokratisch soll es zugehen bei der europäischen
Agrarförderung, zugleich sind Anreize für den ökologischen Anbau
geplant. Vor allem aber will EU-Kommissar Dacian Ciolos die Ausgaben für
die Landwirtschaft eindämmen. Zuletzt betrugen sie zwei Dritteln des
EU-Gesamthaushaltes, ab 2014 sollen sie schrittweise auf ein Drittel
sinken. Eine der damit verbundenen Sparmaßnahmen betrifft die
Direktförderung. Ab 150.000 Euro gibt es Abschläge und die Höchstsumme
liegt bei 300.000 Euro. Das gefällt aber der tschechischen Seite
überhaupt nicht. Hynek Fajmon ist tschechischer Europaabgeordneter der
konservativen Fraktion:
Hynek Fajmon
„Der Vorschlag begünstigt sehr stark kleine Bauernhöfe. Wir sind aber
in der EU das Land mit den größten landwirtschaftlichen Betrieben, der
Durchschnitt liegt bei 89 Hektar. Wenn nun eine Höchstsumme ab einer
gewissen Größe eingeführt wird, dann werden Großbetriebe mit 20.000 bis
30.000 Hektar dazu motiviert, sich zu teilen.“
Die großflächige Landwirtschaft in Tschechien ist indes nicht nur eine Folge der Kollektivierung zu kommunistischen Zeiten, sondern bestand auch bereits zwischen den Weltkriegen. Agrarkammerpräsident Jan Veleba findet es daher ungerecht, dass tschechische Bauern für eine Entwicklung bezahlen müssen, die sie nicht selbst verschuldet haben. Außerdem verweist er auf den Trend zu großen Betrieben in anderen wichtigen Agrargegenden wie den USA, Kanada und Südamerika.
Jan Veleba
„Weltweit schließen sich Landwirtschaftsbetriebe eher zusammen, und
Europa geht gegen diesen Trend. Das heißt, dass Europa auch gegen seine
Konkurrenzfähigkeit geht. Das ist wirtschaftlich nur schwer zu
verstehen“, so Veleba.
Auch der tschechische Bauernbund kritisiert die Höchstsummenregelung, die Agrarkommissar Ciolos plant. Martin Pýcha, der Generalsekretär des Bauernbundes, verweist dabei auf eine weiteres Element der Agrarreform. So sollen nur die Bauern einen Anspruch auf direkte Zahlungen haben, die im Jahr 2011 bereits ihren Betrieb bewirtschaftet haben. Das dürfte aber wohl verhindern, kleinere Einheiten in der Landwirtschaft zu schaffen, so Pýcha:
Martin Pýcha (Foto: ČTK)
„Falls jemand nach Veröffentlichung des Vorschlags seinen Betrieb
teilen will, dann würde er die Ansprüche auf Zahlungen verlieren. Der Weg
wird also anderswo entlangführen.“
Doch Kritik an der Agrarreform kommt auch aus vielen weiteren EU-Staaten, eingeschlossen Deutschland und Österreich. Das Endergebnis könnte also vom Vorschlag noch deutlich abweichen.








