Tagesecho Etikettenschwindel und Betrug an der Kassa? Neuerliche Vorwürfe gegen Supermarktketten
Eines der Themen, die am vergangenen Wochenende im Mittelpunkt des Medieninteresses standen, war wieder einmal das Thema Verbraucherschutz. Große Supermarktketten, so der Vorwurf, gehen mit ihren Kunden nicht immer ganz fair um. Gerald Schubert berichtet.
Erst vor ungefähr einer Woche stellte die Tschechische Handelsinspektion
der Gesellschaft Ahold Czech Republic ein Rekordstrafmandat aus: Eine
Millionen Kronen, das sind mehr als 30.000 Euro, muss die Firma bezahlen,
die in Tschechien die Supermarktketten Albert und Hypernova betreibt.
Insgesamt 550 Kontrollen gaben Material für ein umfangreiches
Sündenregister. Am häufigsten beanstandet wurden irreführende
Preisangaben, erklärt der Direktor der Handelsinspektion, Jiri Pekny:
"Ein Produkt wird im Regal als verbilligt angepriesen. Der Kunde nimmt es und geht damit zur Kasse. Dort wird der Code eingegeben, das System enthält aber gar keine Information darüber, dass es bei diesem Produkt eine Preisreduzierung gegeben hat. Und so kann es passieren, dass der Kunde den vollen Betrag bezahlt."
Doch falsche Preisberechnungen sind nicht das einzige Problem. Am
Wochenende wurden neue Fälle bekannt, die die Verbraucherschützer
interessieren dürften: In einer Albert-Filiale im mittelböhmischen Mnisek
pod Brdy soll im wahrsten Sinne des Wortes Etikettenschwindel begangen
worden sein: An den Aufklebern auf manchen Waren wurden sowohl Ablaufdatum
als auch Gewichtsangaben manipuliert, sagte Inka Laudova, die Direktorin
der Staatlichen Landwirtschafts- und Lebensmittelinspektion gegenüber dem
Tschechischen Fernsehen. Albert ist dabei längst nicht der einzige
Übeltäter, auch in Prager Filialen der Supermarktketten Delvita und
Carrefour sind die Kontrolleure fündig geworden. Inka Laudova:
"Es ist wirklich erstaunlich: Selbst wenn darüber so viel gesprochen
wird, wie gerade jetzt, gibt es immer wieder Leute, die so etwas
machen."
Eine der Schlüsselfragen ist hier natürlich die nach dem Verschulden. Inka Laudova von der Landwirtschafts- und Lebensmittelinspektion sieht eher Verfehlungen in der mittleren Managementebene, sprich in der Leitung der einzelnen Filialen. Jiri Pekny von der Handelsinspektion hingegen meint, zumindest bei der Firma Ahold ein systematisches Problem zu erkennen, das sich in Zweigstellen im ganzen Land niederschlägt.
In der Tschechischen Verbraucherschutzzentrale sieht man langfristig wenigstens einen positiven Trend: Im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt wurden die Rechte der tschechischen Verbraucher stark ausgeweitet. Die Neuerungen seien aber so rasch eingeführt worden, dass es wohl noch eine Weile dauern wird, bis die heimischen Konsumenten diese auch im vollen Umfang wahrnehmen und nutzen können.





