Tagesecho Es könnte schwieriger werden: Schulabsolventen suchen Arbeit

12-07-2010 14:09 | Jitka Mládková

Das Schuljahr 2009/2010 ist vorbei und damit taucht wieder das alte Problem auf: Neue Absolventen von Mittel-, Fach-, und Hochschulen betreten den Arbeitsmarkt. Vor wenigen Tagen hat die Tageszeitung Lidové noviny mit einer Schlagzeile für Aufmerksamkeit gesorgt: „47 000 Absolventen ohne Arbeit“, hieß es da. Das Blatt berief sich auf Analysen des Nationalen Instituts für Fachausbildung. Dieses hat auf Anfrage von Radio die Angabe der Lidové noviny relativiert.

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Offiziell gilt: In Tschechien gibt es derzeit rund 37. 000 Arbeitslose, die in den letzten zwei Jahren ihren Schulabschluss gemacht haben. 22. 000 davon gehören zum Abschlussjahrgang 2010. Viele der jungen Menschen haben einen Sommerjob gefunden. Andere wollen noch die letzten Sommerferien genießen. Ist also ein weiterer Anstieg der Arbeitslosenzahlen bei Schulabsolventen in absehbarer Zeit zu befürchten? Diese Frage stellten wir der Pressesprecherin des Arbeitsministeriums, Štěpánka Filipová:

„Das Ministerium für Arbeit und Soziales erwartet einen Anstieg bei den arbeitslosen Schulabsolventen in diesem Sommer, vor allem im September. Dazu kommt es gewöhnlich jedes Jahr nach dem Schulabschluss von Schülern und Studenten.“

Die saisonbedingte hohe Nachfrage konnte der Arbeitsmarkt in der Regel binnen der folgenden Monate auffangen. Mit der vor etwa zwei Jahren ausgebrochenen Wirtschaftskrise hat sich aber die Situation verschlechtert. In der Evidenz der Arbeitsämter sind derzeit immer noch arbeitslose Schulabsolventen von den letzten Jahren geblieben. Jetzt kommen also noch die die neuen hinzu. Das größte Handicap bei der Arbeitssuche ist das zurückgehende Angebot an Arbeitsplätzen und die mangelnde Praxis der jungen Arbeitsbewerber. Es gebe eine ganze Reihe von Maßnahmen, mittels derer das Arbeitsministerium den Neulingen auf dem Arbeitsmarkt unter die Arme greife, sagt die Pressesprecherin Filipová:

„Den Firmen, die so genannte gesellschaftlich zweckgebundene Arbeitsstellen schaffen, werden Fördergelder vom Arbeitsamt ausgezahlt. Allein im Juni konnten rund 3. 000 Menschen aufgrund dieser Maßnahmen eine Arbeit finden. Unter ihnen waren auch Schulabsolventen. Außerdem widmen die Arbeitsämter bei der Vermittlung eine besondere Aufmerksamkeit gerade den Schulabsolventen im Alter bis zu 20 Jahren. Dazu gehört auch der finanzielle Beitrag, den die Arbeitgeber drei Monate lang für die Einstellung eines Menschen dieser Alterskategorie beziehen können.“

Štěpánka Filipová (Foto: ČT24)Štěpánka Filipová (Foto: ČT24) Viele Firmen, die in letzter Zeit ihre Belegschaft deutlich reduzieren mussten, greifen nicht auf derartige Vergünstigungen zurück. Schließlich sind sie zeitlich befristet. Nun verspricht sich aber das Arbeitsministerium viel von einem neuen Projekt, das im Mai unter dem Namen „Vorhersage des Qualifikationsbedarfs auf dem Arbeitsmarkt“ gestartet wurde. Sein Ziel? Noch einmal Štěpánka Filipová:

„Sehr einfach gesagt, zum Beispiel nicht zu viele Wirtschaftsexperten zu haben, dafür aber Menschen mit einer Ausbildung, die auf dem Arbeitsmarkt gebraucht wird.“

Ein Laie wird sich wohl die Frage stellen, ob eine relevante Vorhersage der konkreten Arbeitsmarktbedürfnisse möglich ist. Das bisher größte Projekt des Arbeitsministeriums, finanziert mit umgerechnet 3,3 Millionen Euro aus dem Sozialfonds der EU, läuft bis April 2013.

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