Tagesecho Erstmals ganz ohne Stufen: neue Prager Niederflurstraßenbahn endlich in Betrieb
Vielleicht ist Sie Ihnen in Prags Straßen schon begegnet: Die neue Niederflur-Straßenbahn. Schließlich ist der Prototyp schon vor mehr als zwei Jahren präsentiert worden. Nach zahlreichen Testfahrten und einigen technischen Problemen kommen nun endlich auch die Fahrgäste in den Genuss der neuen, erstmals vollkommen stufenlosen Bahnen. Daniel Kortschak hat das neue Flaggschiff des Prager Verkehrsbetriebs getestet.
Niederflurstraßenbahn des Typs „15T For City“
Seit wenigen Tagen ist die von den Prager Verkehrsbetrieben und den
Pilsener Škoda-Werken entwickelte Niederflurstraßenbahn des Typs „15T
For City“ mit Fahrgästen auf den Prager Straßenbahnlinien unterwegs.
Beinahe lautlos gleitet die über 31 Meter lange, vom Architekten Patrik Kotas in elegantem Schwarz, Silber und Rot gestaltete Straßenbahn selbst über die schon ziemlich abgefahrenen Gleise am Rašín-Kai. So leise, dass ein unachtsamer Fußgänger nur mit lautem Bimmeln vor einem folgenschweren Zusammenstoß gerettet werden kann.
Patrik Kotas
Im Gegensatz zu dem bei den Fahrgästen äußerst unbeliebten
Vorgängermodell von 2005 wirkt der Innenraum der neuen Niederflurbahn
aufgeräumt und geräumig. Große Bildschirme und Leuchtschriften zeigen
die nächsten Haltestellen an. Die geschwungene Deckenverkleidung aus
hellem Holz hat Designer Kotas mit den Sitzen abgestimmt. Ja, sie haben
richtig gehört: Die neue Straßenbahn hat Holzsitze. So, wie schon vor
100
Jahren. Obwohl diese hellen, ergonomisch geformten Sitze nichts mit den
harten Holzbänken aus vergangenen Zeiten gemeinsam haben, sind nicht alle
Fahrgäste von der Neuerung begeistert.
Niederflurstraßenbahn des Typs „15T For City“ (Foto: www.prazsketramvaje.cz)
Das sei wohl wegen der Vandalen. Na ja, besonders bequem sitze er nicht,
aber man verbringe ja ohnehin nicht den ganzen Tag in der Bahn, meint
dieser Fahrgast. Aber ansonsten sei die neue Straßenbahn sehr gelungen.
Vor allem der stufenlose Einstieg und der durchgehend ebene Innenraum
seien
toll, so der etwa 50-Jährige, dessen letzte Worte im schrillen Pfeifen
des
Abfahrtssignals und dem lauten „Rrrrumms“ der sich schließenden
Türen
untergehen.
Schrecklich seien diese neuen Bahnen, meint hingegen die ältere Dame ein paar Reihen weiter vorne. So laut und wie die Türen jedes Mal zuknallten. - Und die Sitze? - Die seien furchtbar hart. Sicher, sie seien leicht zu reinigen, aber sitzen würde man darauf nicht bequem.
Lettische Hauptstadt Riga hat bereits über 50 Stück der neuen tschechischen Niederflurtram bestellt (Foto: www.wikimedia.org)
Doch an die neuen Holzsitze werden sich die Prager gewöhnen müssen,
schließlich hat die Stadt 250 der neuen Niederflur-Straßenbahnen
bestellt. Sie sollen in den kommenden Jahren die zwar legendären, aber
mittlerweile ziemlich betagten Tatrabahnen ablösen.
Hersteller Škoda Transportation kann sich außerdem bereits über einen ersten Exporterfolg freuen: Die lettische Hauptstadt Riga hat bereits über 50 Stück der neuen tschechischen Niederflurtram bestellt.







