Tagesecho Erster Olympischer Fackellauf 1936: Durch Prag nur unter Polizeischutz
Das olympische Feuer wird traditionell vom letzten Teilnehmer des olympischen Staffellaufs entzündet, indem er die Fackel in das Stadion trägt. Millionen Menschen verfolgen jedes Mal das Spektakel am Fernseher und live vor Ort. Diese Tradition des Staffellaufs wurde erst 1936 bei den Olympischen Spielen in Nazi-Deutschland eingeführt. Der erste Lauf vor 76 Jahren aus dem antiken Olympia nach Berlin führte auch durch die damalige Tschechoslowakei. Die Gegner der Nationalsozialisten aber wollten die Stafette unterbrechen.
Carl Diem (Foto: Famielienarchiv von C. Diem)
Die Nationalsozialisten betrieben rund um die Olympischen Spiele 1936 ein
gigantisches Propagandaspektakel. Dazu gehörte auch der olympische
Fackellauf. Der Sportfunktionär Carl Diem hatte die Idee, den 3187
Kilometer langen Lauf zu veranstalten. Im antiken Olympia entzündet,
sollte die Flamme in zwölf Tagen und elf Nächten nach Berlin getragen
werden.
Nachdem der Lauf am 20. Juli startete, rief die griechische kommunistische Jugendorganisation dazu auf, die Fackel auf dem Weg nach Berlin aufzuhalten. Dies führte zu einer Reihe von Protesten, besonders in Jugoslawien. Am 30. Juli erreichte der Fackellauf die tschechoslowakisch-österreichische Grenze. Die deutsche Zeitung Bohemia aus Prag schrieb damals:
„Auf tschechoslowakischer Seite ist ein Olympiabogen mit einem Willkommensgruß errichtet. Auf der österreichischen Seite wehen von hohen Masten Fahnen. […] Die tschechischen Läufer sind mit weißer Hose bekleidet und laufen mit nacktem Oberkörper. […] Unter tausendfältigen Heilrufen zog der erste tschechoslowakische Läufer, der Kapitän der Leichtathletik-Union Chotěborský vom Start, um das olympische Feuer den ersten Teil der 228 Kilometer langen Strecke durch die Tschechoslowakei zu tragen.“
Foto: Bundesarchiv
Den tschechoslowakischen Verantwortlichen war 1936 klar, dass Deutschland
ein totalitärer Staat war. Trotzdem wurde der Fackellauf von offizieller
Stelle unterstützt. Die hohe Politik ließ sich das Spektakel nicht
entgehen, wie die Bohemia schrieb:
„Auf der Staatsstraße von Soběslav nach Tábor erwartete der Präsident der Republik Dr. Beneš mit Gemahlin den olympischen Fackellauf. […] Der Läufer, Ing. Kron, der auf diesem Streckenabschnitt die Fackel trug, war von fünf Athleten begleitet, die auf der Brust die Landeswappen von Böhmen, Mähren, Schlesien, der Slowakei und Karpathorusslands trugen.“
Marek Waic (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Die kommunistischen Organisationen der Tschechoslowakei agitierten gegen
den Fackellauf, und bis heute hält sich das Gerücht, dass er in Prag
tatsächlich gestört werden konnte. Sporthistoriker Marek Waic von der
Prager Karlsuniversität dementiert das:
„Man kann nicht direkt sagen, dass die Flamme aufgehalten wurde. Auf jeden Fall aber hatte der olympische Fackellauf auf dem Boden der Tschechoslowakei seine Probleme. Er musste von der Polizei geschützt werden.“
Insbesondere in Prag fürchtete man Proteste, wie die Bohemia berichtet:
Foto: Archiv des Sportmuseums Berlin
„Die Polizei hatte umfangreiche Sicherheitsmaßnamen getroffen, da die
Kommunisten seit einigen Tagen mit einer olympiafeindlichen Agitation
eingesetzt hatten und ihre Anhänger in Flugblättern aufforderten, die
‚Hitler-Provokation’ auf dem Altstädter Ring zu stören. […] Die
ganze Strecke stand unter starker Polizeibewachung, ununterbrochen
patrouillierten Wachposten, um jede Behinderung des Stafettenlaufs zu
verhindern.“
An der Zeremonie auf dem Altstädter Ring am Abend des 30. Julis durften dann auch nur Personen mit einer Eintrittskarte der Leichtathletik-Union teilnehmen. Der Fackellauf schaffte es aber am darauffolgenden Tag unbehelligt zur deutschen Grenze, wo die Fackel in Hellersdorf an deutsche Läufer übergeben wurde.







