Tagesecho Ende nach über 100 Jahren: 50-Kronen-Schein hat ausgedient

11-10-2010 15:35 | Daniel Kortschak

Seit über 100 Jahren tragen ihn die Einwohner von Böhmen, Mähren und Mährisch-Schlesien in ihren Geldbörsen: den 50-Kronen-Schein. Im kommenden Frühjahr hat er ausgedient und wird durch die schon jetzt weit verbreiteten Münzen ersetzt.

Download: MP3

50-Kronen-Schein (Foto: ČTK)50-Kronen-Schein (Foto: ČTK) Mehrere Regime hat der 50-Kronen-Schein überlebt: von der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, über das Protektorat Böhmen und Mähren, die kommunistische und die demokratische Tschechoslowakei, bis zur Tschechischen Republik. In nicht weniger als vier verschiedenen Sprachen war er beschriftet: Tschechisch, Deutsch, Ungarisch und Slowakisch. Und mindestens ebenso oft wie die Sprache haben auch die auf dem Papier-Fünfziger abgebildeten Personen und Symbole gewechselt. Nun hat die zuletzt blassrote Banknote mit dem Porträt der Heiligen Agnes von Böhmen ausgedient. Ersetzt wird sie im kommenden Frühjahr durch die schon jetzt weit verbreitete zweifarbige Münze mit dem Panorama der Prager Altstadt auf der einen und dem böhmische Löwen auf der anderen Seite

Marek PetrušMarek Petruš „Für uns geht es dabei einfach um Einsparungen. Man muss bedenken, dass die Münzen eine viel längere Lebensdauer haben als die Banknoten. Darum haben wir schon seit einigen Jahren den Anteil der 50-Kronen-Münzen zu Lasten der Scheine erhöht. Wir haben zurzeit kaum etwas mehr als 18 Millionen Fünfziger-Scheine, aber schon fast 60 Millionen Münzen im Umlauf“, sagte der Sprecher der Tschechischen Nationalbank, Marek Petruš, gegenüber Radio Prag.

Nicht alle Tschechen sind allerdings von der Entscheidung der Nationalbank begeistert: Die Geldbörse werde durch die vielen Münzen schwerer. Und außerdem gelte eine Münze als Kleingeld, man gebe sie also viel leichter aus als einen Schein, meinen zwei ältere Herren im Supermarkt.

50-Kronen-Münzen (Foto: ČTK)50-Kronen-Münzen (Foto: ČTK) Ihr seien die Fünfziger-Münzen auf jeden Fall lieber, findet hingegen die Verkäuferin in einer Pizzeria mit Gassenverkauf. Die Münzen lägen besser in der Hand, bei den Scheinen könne man leicht zwei auf einmal erwischen.

Als praktisch erweisen könnten sich die Münzen auch bei der Bezahlung an Automaten. Allerdings verweigern viele Geräte auch vier Jahre nach der systematischen Ausgabe der Fünfziger-Münzen noch immer die Annahme der großen, schweren Geldstücke.

Bis zum 31. März 2011 kann man noch mit dem blassroten Papier-Fünfziger in den tschechischen Geschäften bezahlen. Dann wird er noch ein Jahr lang in allen Banken gegen die entsprechende Münze getauscht. Und ganz vergesslichen Menschen bleibt danach bis zum Jahr 2017 noch der Weg in eine der sieben Filialen der Tschechischen Nationalbank.

Artikel bookmarken

Nicht verpassen

In dieser Ausgabe finden Sie auch

Ex-Präsident Havel: Mit dem Kult des Gewinns verschwindet Demut

Martina Schneibergová

Václav Havel (Foto: ČTK) Der tschechische Ex-Präsident Václav Havel gilt wenigstens in einem Teil der tschechischen Gesellschaft immer noch als unfehlbare...mehr...

Hamburger Literaturexport in Prag - Der Schriftsteller Stefan Beuse liest

Christian Rühmkorf

Stefan Beuse (Foto: www.stefanbeuse.de) Hamburg und Prag feiern 20 Jahre Städtepartnerschaft. Diese Tatsache macht auch vor der Literatur nicht Halt. Zurzeit weilt der Hamburger Schriftsteller...mehr...

Ähnliche Artikel

mehr...

Rubrikenarchiv

mehr...

Aktuelle Sendung in Deutsch