Tagesecho Eklat im diplomatischen Dienst: Schwarzenberg entschuldigt sich bei Sarkozy
Zum 1. Januar 2009 wird die Tschechische Republik die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen. Und zwar von Frankreich, das dem Vorsitz Tschechiens distanziert gegenübersteht – auch deshalb, weil Tschechien neben Irland als einziger EU-Staat den Vertrag von Lissabon noch nicht ratifiziert hat. Ausgerechnet zwischen Prag und Paris ist es dieser Tage zu einer weiteren Verstimmung gekommen.
Das Prager Wochenmagazin „Reflex“ hat in seiner letzten Ausgabe den
vollen Wortlaut der Gespräche abgedruckt, die der tschechische Premier
Mirek Topolánek Ende Oktober bei seinem Besuch in Paris angeblich mit
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy geführt haben soll. „Die Quelle
können wir nicht verraten, doch wir können sagen: Es handelt sich um
einen offiziellen Mitschnitt, den der tschechische Botschafter in
Frankreich, Herr Fischer, angefertigt hat“, sagt Reflex-Redakteur Bohumil
Pečinka.
Botschafter Pavel Fischer weist jedoch genau das zurück. In einer Erklärung, die er an die Nachrichtenagentur ČTK schickte, zweifelt er die Authentizität des Mitschnitts an. Und auch der tschechische Vizepremier für europäische Angelegenheiten, Alexandr Vondra, ist überzeugt davon, dass hier jemand ein Spiel mit gezinkten Karten treibt: „Das ist eine Schmierenkomödie mit einem Szenario, wie es sich so nicht abgespielt hat.“
Der angebliche Mitschnitt ist nämlich inhaltlich pikant. So soll Sarkozy
in Bezug auf die Mittelmeerunion zu Topolánek unter anderem gesagt haben:
„Weißt du wie es ist, allein gegen diese ganzen Araber zu stehen, sie am
Telefon zu haben? Sie sind furchtbar, das schwöre ich dir“.
Außenminister Karel Schwarzenberg (Foto: ČTK)
Der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg hat sich am Donnerstag
offiziell bei der französischen Seite für die Veröffentlichung des
angeblichen Mitschnitts entschuldigt. „Leider muss ich zugeben, dass das
auf einer unserer diplomatischen Vertretungen passiert ist. Das war ein
Fehlverhalten, für das ich die Verantwortung auf mich nehme.“
Wie diese Verantwortung aussehen werde, sagte er jedoch nicht. Und auch die französische Seite will sich bis auf weiteres zu dem Vorfall nicht äußern. Fest steht, dass die ganze Angelegenheit derzeit akribisch untersucht wird. Denn egal ob und wo ein Leck im diplomatischen Dienst entstanden ist, die Glaubwürdigkeit der tschechischen Loyalität in europäischen Angelegenheiten hat erneut einige Kratzer abbekommen.







