Tagesecho Eishockey-WM: Bronze für Tschechien – nach Sieg über Finnland
Die tschechischen Eishockeyfans können aufatmen: Ihre Idole haben sie nicht im Stich gelassen und kehren mit der Bronzemedaille von der WM in Helsinki zurück. Im Spiel um Platz drei besiegte das tschechische Team am Sonntag die Weltmeister von 2011, die Mannschaft Finnlands.
Foto: ČTK
Die Weltmeisterschaft war aus Sicht der tschechischen Eishockeyfans wie
eine Achterbahn: großer Jubel nach dem Sieg über die favorisierten
Schweden im Viertelfinale, tiefe Enttäuschung am Samstag nach der
1:3-Niederlage im Halbfinale gegen das Team der Slowakei. Denn die Slowaken
hatte die Mehrheit der Fans zuvor für besiegbar gehalten, die
Enttäuschung stand nach dem verlorenen „Bruderkampf“ nicht nur den
tschechischen Spielern ins Gesicht geschrieben. Auch Tausende von Fans vor
den großen Bildschirmen auf den Marktplätzen trauten ihren Augen nicht.
Pikant war für die tschechischen Eishockeyliebhaber zudem die Tatsache,
dass die Slowaken von einem erfolgreichen tschechischen Trainer betreut
werden - Vladimír Vůjtek senior.
Foto: ČTK
Die passionierten Fans, aber nicht nur sie, brachen aber nicht den Stab
über ihren Eishockeyjungs und fanden sich am Sonntagnachmittag erneut in
großen Massen in Kneipen und auf Plätzen zum Public Viewing ein.
Im Spiel um die Bronzemedaillen führten die Tschechen über Finnland schon nach dem ersten Drittel mit 3:1. Im letzten Drittel schossen die Finnen aber ein weiteres Tor. Bis zur letzten Sekunde war das Spiel daher spannend - auch für die Fernsehkommentatoren:
„Jetzt dürfte endlich alles klar sein. Das tschechische Team besiegt Finnland und holt Bronzemedaillen wie vor einem Jahr“, jubelte der Kommentator.
Petr Nedvěd (Foto: ČTK)
Unmittelbar nach dem Spiel eilte als erster der Stürmer Petr Nedvěd zu
Torwart Jakub Štěpánek, um dem Schlussmann für seine Leistung zu danken
und den Sieg zu feiern. Der 40-jährige Nedvěd hat zum ersten Mal für die
tschechische Nationalmannschaft gespielt. Doch es war nicht sein erstes
großes Turnier. Mit dem Nationalteam Kanadas holte er bereits 1994
Olympia-Silber in Lillehammer. Nach den Regeln des Internationalen
Eishockeyverbandes durfte danach Nedvěd, der kurz vor der Wende von 1989
nach Kanada geflohen war, eine Zeitlang nicht für Tschechien spielen. Der
jetzige Gewinn von Bronze bedeute ihm sehr viel, so der Stürmer, der 17
Jahre lang in der NHL spielte und in dieser Saison das Trikot des
tschechischen Extraligateams Weiße Tiger Liberec übergezogen hat:
Alois Hadamczik (Foto: ČTK)
„Mit 40 Jahren ist es offensichtlich meine letzte Weltmeisterschaft. Ich
bin sehr glücklich über die Medaille. Ich habe hier wirklich jede Minute
genossen und freue mich riesig darüber, dass es so geklappt hat.“
Als Nedvěd mit Kanada olympisches Silber gewann, war der Benjamin des Teams, Jakub Krejčík, gerade zwei Jahre alt. Der Verteidiger von Slavia Prag strahlte am Sonntag nach dem gewonnenen Spiel um Platz drei über beide Ohren:
„Ich kann es immer noch nicht wahrhaben, dass ich wirklich hier bin. Das ist unglaublich, einfach ein Super-Gefühl!“
Foto: ČTK
Eingerechnet die tschechoslowakischen Erfolge haben tschechische
Eishockeyspieler bereits 21 Mal WM-Bronze geholt. Als einziges
Eishockey-Land hat Tschechien nun dreimal hintereinander eine Medaille bei
einer Weltmeisterschaft erringen können: 2010 unter Trainer Vladimír
Růžička Gold und in den letzten beiden Jahren unter Alois Hadamczik
Bronze. Am Montagmittag kehrte das Team nach Prag zurück. Der
Nationaltrainer dankte allen Spielern und zog Bilanz:
„Natürlich waren wir enttäuscht über die Niederlage gegen die
Slowaken. Ich bin froh, dass das Team dann aber die Kraft gefunden hat,
sich auf das schwere Spiel gegen Finnland vorzubereiten. Meine Anerkennung
für den Einsatz der Spieler, die Medaille kann ich nur würdigen.“







