Tagesecho Eishockey-Extraliga: Nach traurigem Saisonstart wieder viel Spannung zu erwarten

16-09-2011 15:31 | Lothar Martin

Dem Beginn einer neuen Saison in der Tipsport-Extraliga fiebern die Sportfans in Tschechien immer mit großer Vorfreude entgegen. Aus gutem Grund, denn die Punktspiele der 14 Teams in der höchsten Eishockey-Spielklasse versprechen stets hervorragenden Sport und gute Unterhaltung, zumal die Liga sehr ausgeglichen ist. Vor dem Beginn der neuen Spielzeit allerdings ist die Stimmung sehr gedrückt. Zu den 44 Opfern der Flugzeugkatastrophe bei Jaroslawl gehören nämlich auch drei tschechische Eishockey-Nationalspieler, die man in diesen Tagen beerdigt hat. Um von dieser Tragödie etwas Abstand zu gewinnen, hat man den Saisonstart der Liga von Freitag auf Sonntag verschoben.

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Zu den Opfern der Flugzeugkatastrophe bei Jaroslawl gehören auch drei tschechische Eishockey-Nationalspieler (Foto: ČTK)Zu den Opfern der Flugzeugkatastrophe bei Jaroslawl gehören auch drei tschechische Eishockey-Nationalspieler (Foto: ČTK) Überall, wo man sich umschaute und umhörte in den Eishockey-Hochburgen des Landes, nirgends war und ist den Spielern, Trainern und Fans der Top-Mannschaften derzeit nach ihrem Sport zumute. Zu tief sitzt der Schock über den tragischen Tod der drei sehr beliebten Spieler, zu groß ist die Trauer bei den nächsten Angehörigen und Freunden. Zu ihnen gehören natürlich viele ehemalige Teamkollegen und Weggefährten von Karel Rachůnek, Josef Vašíček und Jan Marek. Dem Trio haben sie in dieser Woche das letzte Geleit gegeben. Unter den Trauernden war auch der Kapitän der tschechischen Nationalmannschaft, Tomáš Rolinek, der mit gebrochener Stimme bekannte:

Tomáš RolinekTomáš Rolinek „Nach Niederlagen waren wir stets gestresst oder haben uns damit befasst, warum es nicht läuft bei uns. Hin und wieder haben wir dann auch befürchtet, dass man den Vertrag mit uns auflösen könnte. Aber nachdem, was jetzt geschehen ist, beginnt man alles um sich herum erst so richtig zu schätzen.“

Tomáš Rolinek spielt für Metallurg Magnitogorsk in der Kontinentalen Eishockey-Liga (KHL), in deren Rahmen das Unglück passierte. Die abgestürzte Maschine hatte die komplette Mannschaft von Lokomotive Jaroslawl an Bord, die auf dem Weg zum Auswärtsspiel nach Minsk war. Rolinek glaubt daher, dass diese Tragödie in der KHL ihre Spuren hinterlassen wird:

„Ich denke, dass die neue Spielzeit eine traurige Saison wird. Die Niedergeschlagenheit wird besonders an den ersten Spieltagen zu spüren sein, denn das Unglück hat alle Spieler getroffen. Meiner Meinung nach wird das Eishockey in dieser Saison auch nicht die gleiche Qualität wie vor dem Unglück haben.“

Eine Befürchtung, die auch die Verantwortlichen des tschechischen Eishockeys für die eigene Extraliga haben. Dabei starten alle 14 Clubs wieder mit großen Erwartungen in die neue Saison. Auch und besonders die Mannschaft von Rytíři Kladno, an deren Spitze seit Sommer der überaus populäre Superstar Jaromír Jágr steht. Jágr selbst wird ab Oktober zwar für die Philadelphia Flyers in der NHL spielen, seinen Stammverein in Kladno aber unterstützt er jetzt schon nach besten Kräften. Als neuer Mehrheitsaktionär hat er zudem klare Vorstellungen:

„Ich bin überzeugt davon, dass die Leute in Kladno dem Club weiter die Treue halten und nun wieder in größeren Scharen zu den Spielen kommen. Auf der anderen Seite kann ich versprechen, dass die Mannschaft in dieser Saison eine andere Rolle und ein anderes Eishockey als zuletzt spielen wird.“

Mit 65 Millionen Kronen (knapp 2,7 Millionen Euro) steht Kladno das kleinste Budget aller Clubs in der Liga zur Verfügung. Dennoch hofft Jágr insgeheim, dass auch seine „Ritter“ eine Titelchance haben.

„Wenn man in die Play offs kommt, dann liegt es an der momentanen Form. Schauen Sie nur auf das Team aus Litvínov, das kam im Frühjahr erst in letzter Minute in die Play offs, schlug dann Pilsen und hätte um ein Haar auch Třinec eliminiert. Danach ist Třinec souverän Meister geworden. Alles ist sehr ausgeglichen, in der Liga entscheiden oft auch Glück und Zufall.“

In die Play offs wollen ebenso die anderen 13 Mannschaften, so dass auch in dieser Saison – trotz ihres traurigen Beginns – wieder sehr viel Spannung zu erwarten ist.

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