Tagesecho Ein weltberühmtes und ein vergessenes Konzert: Tomáš Jamník spielt das Cello-Werk Dvořáks
Im Gebäude des Tschechischen Rundfunks fand in der vergangenen Woche eine Feier statt. So wurde eine Doppel-CD präsentiert, auf der das komplette Werk für Violoncello und Orchester von Antonín Dvořák zu hören ist.
Tomáš Jamník
Antonín Dvořák ist als Cello-Komponist allgemein bekannt und berühmt.
Neben seiner 9. Symphonie „Aus der Neuen Welt“ und der Oper Rusalka ist
das Cello-Konzert Nummer 2 h-Moll wohl das bekannteste Werk von Dvořák.
Auch dieses Konzert ist auf der neuen CD zu hören. Es spielen das Prager
Rundfunkorchester unter der Leitung von Tomáš Netopil und der junge
tschechische Cellist Tomáš Jamník. Wie er Radio Prag anvertraute, war
die Interpretation des weltbekannten Konzerts eine schwere Aufgabe für
ihn:
„Am schwersten war eindeutig das Konzert in h-Moll, weil ich weiß, dass es für mich für lange Zeit die einzige Gelegenheit sein wird, das Konzert aufzunehmen. Ich musste an dieses Konzert mit großer Verantwortung herantreten, damit ich mich für diese Aufnahme später nicht schämen muss.“
Antonín Dvořák
Nur wenige Leute wissen, dass Dvořák vor dem weltbekannten Konzert
h-moll in der Jugend noch ein Cello-Konzert komponiert hat: das Konzert in
A-Dur, das in Vergessenheit geraten ist. Das fast einstündige Frühwerk
wurde für die Aufnahme gekürzt und für eine Orchesterbesetzung
umgestaltet.
„Ich habe großes Glück gehabt, dass ich mich mit diesem Konzert genau in dem Alter beschäftigt habe, in dem es Dvořák komponiert hat – also mit 24 Jahren. Ich habe es so verstanden, dass er damals vor Ideen nur so sprudelte und an den Gesamtbau der Komposition nicht so sehr dachte, sondern sich von der Musik hinreißen ließ. Man hört darin auch zahlreiche Inspirationen durch andere Komponisten. Ich habe also keine Angst gehabt, ich habe mich versucht zu entspannen und mich in Dvořáks Alter einzufühlen.“
Konzert von Tomáš Jamník
Tomáš Jamník ist einer der erfolgreichsten tschechischen
Cello-Virtuosen der Gegenwart. Er hat erfolgreich an zahlreichen
Wettbewerben im In- und Ausland teilgenommen. Seinen bisher größten
Erfolg feierte er 2006, als er Sieger des internationalen Musikwettbewerbs
Prager Frühling wurde. Nach dem Studium in Prag studierte er an der
Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in
Leipzig sowie an der Universität der Künste in Berlin. Seit September
2010 ist er Stipendiat an der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker.
Berliner Philharmonie
„Die Berliner Philharmonie hat eine Akademie, sozusagen eine Schule für
junge Musiker, die beiden Seiten Vorteile bringt. Den jungen Musikern
bietet sie die Gelegenheit, mit den besten Künstlern und Dirigenten der
Welt auf Konzertbühnen zu spielen; und für das Orchester besteht der
Nutzen darin, dass es die jungen Interpreten beobachten und aussuchen kann.
Die Statistik sagt, dass zum Beispiel alle Cellisten, die ins Orchester in
der letzten Zeit aufgenommen wurden, Mitglieder der Akademie waren.“
Sololaufbahn, die Mitwirkung in einem Kammerensemble sowie das Orchesterspiel: Tomáš Jamník hat all dies bereits ausprobiert. Mit dieser Erfahrung sieht er seine Zukunft klar:
Tomáš Jamník (Foto: Archiv des Musikers)
„Am nächsten liegt mir bestimmt das Solo-Spiel, zu dem ich seit jeher
hingeführt wurde. Ich habe Momente im Leben gehabt, in denen ich mich
fragte, ob ich das schaffen kann, ob ich etwas habe, was ich anderen Leuten
übergeben kann. Und diese Momente, es waren Wettbewerbe und ähnliche
Gelegenheiten, haben mir bestätigt, dass ich mich dem Solospiel widmen
kann. Das Kammerspiel sowie die Mitwirkung in einem Orchester betrachte ich
als eine absolut unentbehrliche Ergänzung, um den Horizont zu erweitern.
Im Orchester lerne ich zum Beispiel zum ersten Mal Mahlers Symphonien
sozusagen von innen kennen, was sonst nicht möglich gewesen wäre.“








