Ein Stück Mongolei in Prag: Przewalski-Pferde bekommen Steppe am Stadtrand

Der Prager Zoo ist in Europa führend bei der Zucht des sogenannten Przewalski-Pferdes, der letzten Wildpferdart der Welt. Nach erfolgreicher Aufzucht werden die Tiere meist in ihrer ursprünglichen Heimat, der Mongolei, ausgesetzt. Nun sollen sie aber auch eine eigene Steppe in der tschechischen Hauptstadt bekommen.

Foto: Archiv des Zoos PragFoto: Archiv des Zoos Prag In den weiten Ebenen der Mongolei sind sie noch in freier Wildbahn anzutreffen – die Przewalski-Pferde. Oft sind sie aber nicht dort geboren, sondern im Prager Zoo. Denn dieser ist europaweit Spitze in der Nachzucht dieses Urpferdes.

Bald werden sich die Tiere aber auch in der Stadt ihrer Aufzucht selbst wie zu Hause fühlen und eine eigene Steppe bekommen. Diese soll sich über einen großen Teil des Prokop-Tals am Fuße der Anhöhe Dívčí hrady erstrecken, inmitten des vierten Prager Stadtbezirks. Dessen Bürgermeister ist es auch zu verdanken, dass es überhaupt zu dem Projekt kommen konnte. Alena Šteffelová ist Sprecherin des Prager Zoos:

Foto: Archiv des Zoos PragFoto: Archiv des Zoos Prag „Die Idee kam vom Stadtteil-Bürgermeister Petr Štěpánek (Grüne, Anm. d. Red.), der nur einen Steinwurf vom Prokop-Tal entfernt wohnt. Er hat sich gefragt, wie man das Gebiet sinnvoll nutzen könnte, damit nicht jeden Sommer Mähdrescher die Ebene abgrasen müssen. Außerdem suchte der Bürgermeister einen Weg, wie man die ursprüngliche Steppenlandschaft der Anhöhe Dívčí hrady wiederherstellen könnte. Da sind ihm dann die Przewalski-Pferde eingefallen.“

Zunächst sollen etwa vier bis fünf Stuten im Prokop-Tal ausgesetzt werden, so Šteffelová. Später könnte ein Hengst hinzukommen, um den Grundstein zu legen für eine ganze Herde. Zwei Jahre sollen die Vorbereitungen dauern, also der Bau von Zäunen, einer kleinen Stallanlage und Räumlichkeiten für die Tierpfleger.

Foto: Archiv des Zoos PragFoto: Archiv des Zoos Prag Natürlich sollen auch Prager den anmutigen Tieren nahekommen können. Der Zoo plant deshalb ein System an Aussichtspunkten inmitten der Hauptstadt-Steppe:

„Die Besucher sollen sich möglichst frei im Gehege bewegen und die Pferde wirklich von allen Seiten sehen können. Über das ganze Areal verteilt soll es Beobachtungspunkte geben und einen zwei bis drei Meter hohen Aussichtsturm. Von da aus hätte man dann nicht nur einen schönen Blick auf die Pferde, sondern genauso auf ganz Prag.“

Das Freigehege für die Przewalski-Pferde ist jedoch nicht das einzige Großprojekt des Prager Tiergartens. Sicher können sich die Besucher im Laufe der nächsten zwei Jahre auf eine neue Großvoliere freuen. Zudem sollen in einem neuen Gehege vor allem Eisbären und Pinguine mehr Platz bekommen und die Besucher mehr über die Unterwasserwelt rund um die Polarregionen erfahren. Der größte Star jedoch, der schon bald einen Pavillon im Hauptstadtzoo bewohnen könnte, stammt wie das Przewalski-Pferd aus Fernost:

Illustrationsfoto: Fernando Revilla, CC BY-SA 2.5Illustrationsfoto: Fernando Revilla, CC BY-SA 2.5 „Natürlich ist das, was derzeit am heißesten diskutiert wird, ein neuer Panda-Pavillon. Wir haben bereits vor Augen, wie der Neubau aussehen soll, und ein architektonischer Wettbewerb ist ebenfalls schon ausgeschrieben. Wenn alle technischen und administrativen Fragen gelöst sind, können wir sofort mit dem Bau beginnen. Außerdem könnte gemeinsam mit dem Panda auch noch eine seltene Affenart, die Goldstumpfnase, hier einziehen.“

Wenn alles glatt liefe, könnte der erste Spatenstich in anderthalb bis zwei Jahren erfolgen, so Šteffelová.