Tagesecho Ein neues Museum in Kuttenberg zeigt Marionetten der Zwischenkriegszeit
Das mittelböhmische Kutná hora / Kuttenberg ist um eine touristische Attraktion reicher. In der Unesco-Weltkulturerbestadt hat in diesen Tagen ein Marionetten-Museum neu eröffnet. Es entführt die Besucher in die lebendige tschechische Puppenspielerszene vergangener Zeiten.
Kutná hora
In den farbig erleuchteten Sälen des Kuttenberger Marionettenmuseums
erwarten die Besucher über 300 Puppen in zeitgenössischen Kostümen. Die
meisten wurden in der Zwischenkriegszeit, also während der Ersten
Tschechoslowakischen Republik hergestellt. Die Idee zu dem Museum hatte der
Puppensammler Martin Rych:
„Die Marionetten aus dieser Zeit haben einen spezifischen Charakter, in ihnen steckt noch das Mystische vergangener Zeiten. Das ist zum Beispiel in den Typologien der Figuren zu sehen.“
Foto: Michal Trnka
Unter den Exponaten befinden sich Puppentheater-Charaktere, die auch im
deutschsprachigen Raum aus unzähligen Märchen bekannt sind: Rotkäppchen,
Dornröschen, eine ganze Reihe von Kasperlefiguren, Prinzessinnen und
Prinzen, Teufeln, Räubern und Hexen, zum Teil in historischen
Puppenbühnendekorationen, wie Lebkuchenhäuschen, Höhlen und so weiter.
Martin Rych weist auf einen besonderen Stolz seines Museums hin:
„Eine große Attraktion ist eine Sammlung von Marionetten des berühmten Puppenmachers Antonín Münzberg, der in der Zeit der Ersten Republik in Serienproduktion Marionetten hergestellt hat.“
Foto: Michal Trnka
Mit seiner Faszination für die alten Marionetten hat Martin Rych auch
seine Familie angesteckt, die schnell seine Sammelleidenschaft teilten.
Dabei sei es heutzutage gar nicht so einfach, die alten Marionetten
aufzutreiben, sagt Rych:
„Das ist in erster Linie Glückssache. Man redet mit Bekannten, und jemand erwähnt, dass er noch etwas auf dem Speicher hat. Manchmal stößt man auf ein Inserat. Manchmal findet man zufällig etwas in einem Antiquitätengeschäft.“
Foto: Michal Trnka
Je mehr Puppen die Familie Rych ihr Eigen nannte, desto mehr wuchs der
Wunsch sie in einem eigenen Museum zu zeigen. Nun ist es soweit und
Kuttenberg ist dafür der geeignete Ort. Die Stadt hat eine große
Puppentheater-Tradition. Die goldenen Zeiten sollen in Zukunft wieder
belebt werden. Das Marionettenmuseum plant Vorführungen mit den
historischen Puppen.








