Tagesecho Ehemalige Föderalversammlung in Prag für Besucher geöffnet
Viele Prag-Besucher werden sich schon gefragt haben: Was hat es mit diesem merkwürdigen Gebäude am oberen Ende des Prager Wenzelsplatzes eigentlich auf sich? Nein, es ist natürlich nicht der weithin sichtbare und bekannte Bau des Nationalmuseums gemeint, sondern der etwas eigentümlich anmutende wie auf Stelzen stehende Komplex gleich links daneben, auf halbem Weg zwischen Museum und Staatsoper.
Das Gebäude hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich: Erbaut in den
Jahren 1935 bis 1938; 1966 nach einem kühnen Entwurf der Architekten Karel
Prager, Jiří Kadeřábek a Jiří Albrecht erweitert, diente das Gebäude
zunächst der Börse, nach dem Zweiten Weltkrieg dann der National- und
später der Föderalversammlung. Nach dem Auseinanderbrechen der
Tschechoslowakei Ende 1992 seiner jahrzehntelangen Funktion beraubt, fand
einige Jahre später der vom US-Kongress finanzierte Sender Radio Free
Europe / Radio Liberty seine neue Heimat in dem Bau in der Prager
Innenstadt. Der ist nun – wir haben darüber berichtet – Anfang dieses
Jahres in einen Neubau umgezogen. Am 1. Juni dieses Jahres übergab der
Radiosender symbolisch den Schlüssel an den neuen Nutzer des Gebäudes, an
das benachbarte Nationalmuseum. Ab diesem Wochenende ist es nun der
Öffentlichkeit zugänglich. Zum ersten Mal überhaupt in seiner
wechselvollen Geschichte, wie der Leiter das Nationalmuseums Michal Lukeš
erklärt:
„Zurzeit findet hier noch keine Ausstellung statt. Wir haben uns entschlossen, zunächst einmal der Öffentlichkeit das Gebäude als solches zu präsentieren und seine Architektur vorzustellen. In den geführten Rundgängen wollen wir aber auch an die historischen Momente erinnern, mit denen dieses Haus verbunden ist.“
Das formal beschlossene Ende des Kommunismus fiel hier ebenso wie 1992 die Entscheidung zur Trennung der Tschechoslowakei. Zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten hielten hier ihre Ansprachen, unter anderem Margaret Thatcher, François Mitterrand oder Helmut Kohl.
Museums-Direktor Michal Lukeš
„Bereits in diesem Jahr werden hier die ersten Ausstellungen
stattfinden. Zunächst wird ab 15. September der Goldschatz aus Košice zu
sehen sein, den uns das Slowakische Nationalmuseum leiht. Und am 17.
November eröffnen wir hier eine große Ausstellung, die dem 20. Jahrestag
der Samtenen Revolution gewidmet ist. Sie trägt den sehr symbolträchtigen
Titel ‚Be Free’", ergänzt Museums-Direktor Lukeš.
Eine wichtige Rolle kommt dem Gebäude ab 2012 zu: Dann beginnt die längst überfällige Renovierung des Nationalmuseums am Wenzelsplatz, ein Teil der Sammlungen soll dann vorübergehend gerade in die ehemalige Föderalversammlung ausgelagert werden. Nach Abschluss der Arbeiten soll dann auch ein Tunnel die beiden Häuser des Nationalmuseums direkt miteinander verbinden.
Sind sie neugierig geworden? Einige Bilder dieses interessanten Gebäudes und alle Informationen zur Besichtigung finden Sie auf den Internetseiten des Nationalmuseums:
http://www.nm.cz/novinka-detail.php?f_id=249 (englisch).
Und mehr zur wechselvollen Geschichte des Hauses und seiner einmaligen
Architektur erfahren Sie in einer der nächsten Ausgaben unserer Sendereihe
„Kultursalon“.







