„Dvořáks Prag“ mit Oratorien und Star-Solisten

Das Festival „Dvořáks Prag“ eröffnet die Konzertsaison in Tschechiens Metropole. Schwerpunkt sind Oratorien.

Marek Vrabec (Foto: Vojtěch Havlík, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Marek Vrabec (Foto: Vojtěch Havlík, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Das Oratorium Stabat Mater leitet das Festival am Donnerstag ein, es ist der Vorabend von Dvořáks Geburtstag. Damit ist auch der Programmschwerpunkt des zehnten Jahrgangs vorgezeichnet. Festivalleiter Marek Vrabec:

„Die wichtigste Festivalreihe nennt sich ,Dvořáks Collection‘ und stellt Kantaten und Oratorien des Komponisten vor. Ihre Zahl ist so groß, dass wir die Aufführung auf zwei Jahre aufgeteilt haben. In diesem Jahr erklingen seine großen vokal-instrumentalen Kompositionen Stabat mater, Requiem und Te Deum. Aber wir bringen auch weniger gespielte Werke wie den Hymnus ‚Die Erben des Weißen Berges‘.“

Ein Quartett von Starsängern der Weltbühnen wurde für das Eröffnungskonzert engagiert: Kristine Opolais, Jana Kurucová, Piotr Beczala und René Pape übernehmen die Soloparte. Genauso repräsentativ ist die Besetzung für Dvořáks Requiem bei einem weiteren Festivalabend. Der Aufführung wird zudem eine besondere Bedeutung zugeschrieben:

Radek Baborák (Foto: Jana Chládková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Radek Baborák (Foto: Jana Chládková, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Wir haben uns entschieden, mit diesem Konzert an Antonín Dvořák III. zu gedenken. Der Enkel des Komponisten war immer beim Festival dabei. Leider ist er in diesem Jahr gestorben.“

Die Reihe von Kammerkonzerten gilt als ein kleines Festival im Festival. Die Programmgestaltung wird traditionell einem international anerkannten Solo-Musiker anvertraut. In diesem Jahr hat der Hornist und Dirigent Radek Baborák die Rolle des Dramaturgen übernommen. Marek Vrabec:

„Das Programm lässt sich kurz charakterisieren mit dem Motto ‚Des Knaben Wunderhorn‘, also dem Namen des bekannten Liederzyklus von Gustav Mahler. Dies spiegelt die Bedeutung Prags in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und später wider. Damals war die Stadt eine Welt-Metropole, die von tschechischen, deutschen und jüdischen Einflüssen geprägt war.“

Petr Nekoranec (Foto: Milan Kopecký, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Petr Nekoranec (Foto: Milan Kopecký, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Baborák hat außerdem zum ersten Mal ein spezielles Festivalorchester zusammengestellt und wird es auch dirigieren. Es besteht aus tschechischen Künstlern, die in führenden Ensembles Europas spielen.

Ein Tag bei „Dvořáks Prag“ gebührt traditionell debütierenden tschechischen Künstlern. Zu diesen gehört auch der Tenor Petr Nekoranec, der für ein kleines Interview bereit stand:

„Wir sind vier Solisten, und jeder Solist erhält 20 Minuten für seine Darbietung. Es ist ein tolles Ding. Dvořáks Prag ist ein großes, weltbekanntes Festival. Es ist eine große Ehre, beim Jubiläumsjahrgang dabei zu sein.“

„Beim Konzert singt er mit Orgel-Begleitung. Es sei nicht so einfach, ein Repertoire für Gesang und Orgel zu finden“, sagt Nekoranec.

Foto: Tomáš Vodňanský, Archiv des Tschechischen RundfunksFoto: Tomáš Vodňanský, Archiv des Tschechischen Rundfunks „Zusammen mit meinem Kollegen, dem Organisten Pavel Svoboda, singe ich zwei von Dvořáks Biblischen Liedern sowie Deposuit Potentes aus dem Magnificat von Johann Sebastian Bach. Außerdem habe ich meinen Freund Jiří Najvar aus Brünn gebeten, zwei Stücke für mich zu komponieren. Es wird also auch für ihn und seine Kompositionen ein Debüt sein. Das eine Stück ist ein Ave Maria und das zweite heißt Ubi caritas.“

Zum Prestige des Festivals tragen bedeutende Orchester der Welt bei, die in Prag spielen, wie zum Beispiel das London Philharmonic Orchestra, die Wiener Symphoniker, die Essener Philharmoniker und das Gustav Mahler Jugendorchester. Das Residenzorchester von „Dvořáks Prag“ ist weiterhin die Tschechische Philharmonie, deren erstes Konzert im Januar 1896 von Antonín Dvořák dirigiert wurde.