Tagesecho Duell ohne Tote: Präsidentschaftskandidaten liefern sich Schlagabtausch im TV

30-01-2008 16:55 | Christian Rühmkorf

Der Bewerber und Herausforderer im Tauziehen um das Amt des Präsidenten, der Tschecho-Amerikaner Jan Švejnar, hatte es lange gefordert. Der amtierende Präsident Václav Klaus hatte es lange abgelehnt – ein Duell beider Kandidaten vor laufenden Kameras. Am Dienstag wurde es ausgetragen und zwar vor der Senatsfraktion der Sozialdemokraten (ČSSD).

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Jan Švejnar und Václav Klaus vor der ČSSD-Senatsfraktion (Foto: ČTK)Jan Švejnar und Václav Klaus vor der ČSSD-Senatsfraktion (Foto: ČTK) Treffpunkt: Senatsfraktion der Sozialdemokraten. Die Regeln: Die Senatoren fragen, die Kandidaten Václav Klaus und Jan Švejnar antworten nacheinander, jeweils nicht länger, als die bereit gestellte Sanduhr duldet. Also knapp drei Minuten. Soweit der Rahmen des Debatten-Duells. Erste Frage an Klaus: Gestehen Sie Fehler beim Transformationsprozess in den 90er Jahren ein?

„Der Transformationsprozess, also der Übergang vom Kommunismus hin zu einer freien und marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaft, ist bei uns überaus erfolgreich verlaufen“, verteidigt Vaclav Klaus seine damalige Politik als Finanzminister und Premier.

Václav Klaus und Jan Švejnar (Foto: ČTK)Václav Klaus und Jan Švejnar (Foto: ČTK) „Das, was Herr Klaus hier behauptet, ist eine falsche Analyse“, erklärt Jan Švejnar. Die Debatte war kaum ins Rollen gekommen, da stockte sie auch schon wieder. Klaus war nicht damit einverstanden, dass er immer als Erster auf die Fragen der Senatoren antworten sollte. Auch er wolle die Möglichkeit haben, die Antworten Švejnars zu „glossieren“, forderte Klaus von der Fraktionsvorsitzenden und Diskussionsleiterin Alena Gajdůšková. Klaus setzte sich durch und die Diskussion ging weiter. Nicht nur zu Transformation und Wirtschaft, zu Reformen und der Haltung beider Kandidaten zur EU, sondern auch zur Klima-Debatte forderten die Senatoren Antworten:

Er antworte gern auf die Frage, habe den Herrn Senator habe in Verdacht, dass er ihn nur auf die Probe stellen wolle, warf Klaus lächelnd ein, und überließ die Antwort seinem Gegenkandidaten, damit dieser seine „modische und politisch korrekte Meinung kundtun könne, dass der Mensch das Klima schädige und bald gebraten würde“. Klaus´ Meinung in Sachen Klima sei „extrem“ und falls er es noch nicht wisse, er sei damit eine „absolute Ausnahme in der Welt“, konterte Švejnar.

Die Frage steht im Raum: Was bringt eine Debatte, in welcher der eine nichts zu verlieren und der andere nichts zu gewinnen hat? Švejnar hatte ein Heimspiel bei der ČSSD-Fraktion. Die Sozialdemokraten haben ihn als Kandidaten vorgeschlagen. Hier musste er wohl niemanden überzeugen. Klaus, der Kandidat der Bürgerdemokraten, bewegte sich auf feindlichem Terrain. Wenn es etwas zu verlieren gab, dann nur bei den Fernsehzuschauern. Und die wählen ja nicht. Aber ihre Herzen – und das ist menschlich – sind möglicherweise auf der Seite des Einzelnen, der es mit einer Übermacht von Feinden aufnimmt. So viel zum Volk. Und wie kam die Debatte bei den Spitzen aller Parteien an, bei den Entscheidungsträgern also? Es genügt zu sagen: Überraschungen gab es keine - und Überläufer bisher auch nicht.

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