Tagesecho "Drei Tore" - ein Projekt für die Pinkas-Gasse
In der Prager Pinkas-Synagoge wurde 1958 eine Holocaust-Gedenkstätte eingerichtet. Die Synagoge befindet sich auf der Grenze des einstigen Ghettos in unmittelbarer Nähe des alten jüdischen Friedhofs. Das Jüdische Museum in Prag initiierte nun ein künstlerisches Projekt für die schmale, neben der Synagoge führende Pinkas-Gasse. Martina Schneibergova hat sich erkundigt.
Kuratorin Michaela Hajkova (Foto: Autorin)
Das Projekt von Ales Veselý trägt den Titel "Drei Tore" und es
wurde vor einigen Jahren mit dem Ziel initiiert, die Pinkas-Gasse wieder
zu beleben. Der Künstler hat vor, drei Artefakte in der Form von Toren in
der Gasse aufzustellen. In einer Ausstellung, die vorige Woche in der
Robert Guttmann-Galerie eröffnet wurde, kann man neben den Skizzen für das
Projekt auch ein Modell der drei Tore im Maßstab 1:10 besichtigen. Der
Kuratorin der Ausstellung Michaela Hajkova zufolge wurde die Pinkas-Gasse
für das Projekt aus dem Grund ausgewählt, weil es eine der letzten Stellen
ist, die an das Prager Ghetto erinnern. Die Mitarbeiter des Museums möchten
den Raum zugänglich und bekannt machen, denn viele Leute gehen an der Gasse
vorbei, ohne sie überhaupt zu bemerken.
"Denn seit der Assanierung der Prager Judenstadt um die Jahrhundertwende (seit 1907) dient sie nicht mehr als Straße. Wir wären froh, wenn die Öffentlichkeit unser Vorhaben verstehen würde - in dem Sinne, dass wir mit dem Projekt so zu sagen einen Schritt aus dem fiktiven Ghetto heraus machen. Es würde uns freuen, wenn sich die Prager zu dem vorgelegten Projekt äußern würden, denn ihre Meinung interessiert uns selbstverständlich. Es ist die Frage, wie man an die Geschichte in einem öffentlichen Raum erinnern kann. Aus dem Grund wäre es gut, wenn das Projekt eine öffentliche Diskussion entfesseln würde."
Foto: Autorin
Die Ausstellung mit dem Titel "Drei Tore" ist in der Robert
Guttmann-Galerie bis zum 12. Februar geöffnet. Ales Veselý stellte bereits
vor zwei Jahren in derselben Galerie seine Entwürfe für große Plastiken
aus, die ursprünglich in den Wüsten Israels installiert werden sollten.
Dieses Projekt wurde jedoch nicht verwirklicht. Bei der Finanzierung des
jetzigen Projektes für die Pinkas-Gasse rechnen die Initiatoren damit,
dass es teilweise von der Stadt Prag bzw. einigen Sponsoren gefördert
werden könnte.








