Tagesecho Die Saison des Schnapsbrennens beginnt

31-07-2009 17:23 | Jitka Mládková

Mit dem Sommer beginnt in Tschechien nicht nur die Urlaubssaison. Viele können ausgerechnet im Sommer nicht in Urlaub gehen, da für sie eine ganz spezielle Arbeitssaison beginnt. Traditionsgemäß sind es die Landwirte, die mit Getreideernte beschäftigt sind. Ihren Verlauf in verschiedenen Regionen verfolgen auch die großen Medien genau. Nicht so viel Aufmerksamkeit schenken sie hingegen der Saison des Obstbrennens, dabei ist diese seit etwa Mitte Juli in vollem Gange.

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Erst 1993 wurde in Tschechien die Union der Destillateure gegründet, die sich zwei Hauptziele auf ihre Fahnen geheftet hat: Die Interessen der Betreiber beziehungsweise Inhaber der kleinen Obstbrennereien zu vertreten sowie die Qualität der von ihnen produzierten Destillate zu erhöhen. In Tschechien gibt es derzeit insgesamt 475 Obstbrennereien, die auf dem Gebiet des Landes keineswegs gleichmäßig verstreut sind. Helena Uhrová, Dozentin an der Chemisch-technologischen Hochschule in Prag und Mitbegründerin der erwähnten Institution, fragten wir, ob seit den 1990er Jahren ein zahlenmäßiger Anstieg der Brennereien verzeichnet wurde:

„Ganz bestimmt. Das Primat hält traditionsgemäß Mähren. Dort befindet sich das Gros aller Obstbrennereien hierzulande, 75 Prozent. Zwar nicht alle sind erst nach 1990 entstanden, die Mehrheit aber schon. Im Vergleich zu Mähren gibt es in Böhmen nur 113 kleine Brennereien, knappe 24 Prozent also.“

Die Union der Destillateure veranstaltet auch Fachseminare für diejenigen, die mit der Obstbrennerei beschäftigt sind. Die Teilnahme an einem solchen Seminar ist natürlich auf ihrer Freiwilligkeit begründet. Nun, wie hoch ist das Interesse?

„Ich muss sagen, dass sich in letzter Zeit zunehmend auch jüngere Jahrgänge dieser Arbeit widmen, und bei ihnen verzeichnen wir auch ein höheres Interesse, ihre Kenntnisse um neue Informationen zu erweitern. Die alte Generation der Obstbrenner richtete sich danach, wie es der Vater oder Großvater gemacht hat, und so sei es auch am besten gewesen. Die jüngere Generation der Obstbrenner nimmt hingegen die neuesten Trends wahr, die auch die gesundheitlichen Kriterien berücksichtigen.“

Eine der vielen Obstbrennereien in Südmähren ist Zapo in der Gemeinde Hrušky unweit von Břeclav / Lundenburg. Angefangen hat man mit Kirschen, jetzt sind die Aprikosen dran, folgen werden die Zwetschgen. Geschäftsführer der Firma, Josef Šmerák, ist mit dem diesjährigen Saisonbeginn sehr zufrieden:

„Diesmal wie im Vorjahr haben wir am 13. Juli mit dem Obstbrennen begonnen. In diesem Jahr verzeichnen wir ein außerordentlich hohes Interesse von Kunden. Es hängt natürlich mit der guten Ernte zusammen. Im Vergleich zum Vorjahr haben wir zum heutigen Tag bereits das Doppelte produziert.“

In Südmähren werden Obstdestillate nicht nur gerne produziert sondern auch gerne konsumiert. An erster Stelle der Sliwowitz, sagt Herr Šmerák, gefolgt von Birnen- und Aprikosenschnaps. Seiner Meinung nach ist aber in dieser Region der Favorit Nummer eins der Wein.

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