Tagesecho Die letzten Tage der Menschheit - Karl Kraus in tschechischer Neuübersetzung
Das Kriegsdrama "Die letzten Tage der Menschheit", Hauptwerk von Karl Kraus, ist in Österreich ein Klassiker. Jetzt erscheint das Stück des im nordböhmischen Jicin / Jitschin geborenen Autors in der tschechischen Neuübersetzung von Hanus Karlach. Am Dienstag wurde das Buch im Österreichischen Kultuforum vorgestellt.
Walter Persche (Foto: Adams)
Viele der älteren Besucher hielten die Augen geschlossen, während
Schauspieler in verteilten Rollen Passagen aus dem Werk lasen. Die
Stimmung im Saal war aber trotz der Schwere der Thematik nicht gedrückt,
viele Textstellen brachten die Zuhörer zum Lachen.
Sieben Jahre lang arbeitete Karl Kraus an seinem Drama. Es besteht aus nicht zusammenhängenden Szenen und Dialogen. Gespräche zwischen Regierungsführern und einfachen Soldaten, Zitate aus Zeitungen oder Gerichtsurteilen, stellen dar, wie absurd und unmenschlich der Krieg war. Die Charaktere verharmlosen das Geschehen, sie können und wollen die Realität nicht wahrhaben. Umso realer wirken die Dialoge. Dazu der Leiter des Österreichischen Kulturforums, Walter Persche:
Hanus Karlach (Foto: Adams)
"Es war natürlich in der Zeit des ersten Weltkriegs ungeheuer
mutig,
diese Wahrheiten so deutlich auszusprechen. Was er gemacht hat könnten
Montagen von Originalzitaten sein, er hat nur die Ohren
gespitzt."
Seinen Zeitgenossen warf Karl Kraus vor, der Sprache gegenüber unsensibel zu sein und sie falsch zu gebrauchen. Für ihn war Sprache kein Mittel um vorgefertigte Meinungen auszudrücken, er wollte ihr dienen. Dieser Sensibilität versuchte auch der Übersetzer Hanus Karlach gerecht zu werden:
"Ich habe mich bemüht, so peinlich auf die tschechische Sprache zu achten wie Karl Kraus auf die Deutsche."
Das war aber nicht immer einfach. Es ging Karlach nicht nur darum, das Drama ins Tschechische zu übertragen, sondern auch die Zeit mit ihrer ganz eigenen Sprache und Atmosphäre widerzuspiegeln. Bereits 1965 redigierte er die Übersetzung einer Textsammlung von Karl Kraus. Damals sollte das Hauptwerk "die letzten Tage der Menschheit" erscheinen. Aber zu dieser Zeit bekam jeder Verlag einen begrenzten staatlichen Zuschuss an Papier und bei dem enormen Umfang des Dramas war eine Veröffentlichung einfach nicht möglich.
Foto: Adams
"Dann kam die Wende und es gab die Hoffnung, es doch erscheinen
zu
lassen, dann fand sich kein Verlag, und jetzt, vor zwei drei Jahren, kam
ein Mann namens Ivo Lukas vom Verlag Barrister & Principal, der bereit
war, es zu verlegen."
Schon in den dreißiger Jahren war eine tschechische Übersetzung erschienen. Karlach wollte es allerdings besser machen, dem Ton des Originals genauer wiedergeben. Das ist ihm auch gelungen, meint Walter Persche.
"Es gibt Passagen, die in den wildesten Dialekten ablaufen. Zum
Beispiel eine Szene, in der ein norddeutscher Kriegsgewinnler einem
Dienstboten einen Auftrag erteilen will und der ihn einfach nicht
versteht. Wie auch immer die alte Übersetzung gewesen sein mag, die von
Hanus Karlach ist es sicher wert, verlegt worden zu sein."







