Die Affäre Wolf – Wollte Topolánek Einfluss auf die Medien nehmen?

Die tschechische Politszene ist um eine Affäre reicher. Diesmal geht es um politische Einflussnahme auf die Medien. Im Mittelpunkt stehen ein Reporter des Tschechischen Fernsehens, ein ehemals sozialdemokratischer Parlamentsabgeordneter und ein enger Freund von Premierminister Mirek Topolánek.

Petr Wolf (Foto: ČTK)Petr Wolf (Foto: ČTK) Fast 400.000 Euro erhielt die Firma "UT 2002" aus Mitteln des tschechischen Umweltministeriums, zweckgebunden für zwei Projekte in den Jahren 2005 bis 2007. Teile des Geldes sollen veruntreut worden sein. Die Polizei ermittelt seit Herbst 2008. Das pikante an der Sache: "UT 2002" ist ein Familienunternehmen des Parlamentsabgeordneten Petr Wolf, der im Juni vergangenen Jahres die Fraktion und wenig später auch die Partei der Sozialdemokraten verlassen hat. Seither ist Wolf für die Regierungskoalition von Premierminister Mirek Topolánek Gold Wert. Denn Wolf unterstützt häufig die Regierung bei Abstimmungen im Parlament. Über die polizeilichen Untersuchungen von Wolfs Firma hat ein Mitarbeiter des Tschechischen Fernsehens zwei Monate lang recherchiert. Der Journalist, Dalibor Bártek sein Name, behauptet eine Reportage vorbereitet zu haben, nach deren Veröffentlichung Wolf politisch erledigt sei. Motive, die entsprechende Veröffentlichung zu verhindern, hätten also viele. Genau dies hatte Marek Dalík, ein enger Freund von Premier Topolánek, im Sinn, als er sich mit Reporter Bártek traf. Der Journalist nahm Dalíks Worte heimlich auf:

Der Premier selbst habe ihn gebeten, ihm, also Wolf, zu helfen. Im Anschluss folgt Dalíks kumpelhaft vorgetragene Frage an den Reporter Bártek, ob er denn nicht auf den Bericht über Wolf pfeifen könne.

Das Treffen sei von Dalík initiiert worden, sagte Bártek. Die Hintergründe interpretierte der Journalist so:

„Ich habe das so verstanden, dass der Abgeordnete Wolf Premierminister Topolánek kontaktiert hat, der hat dann seinen Freund Dalík angesprochen und Herr Dalík dann wiederum mich.“

Premierminister Topolánek hat bereits zugegeben, seinen Freund Dalík beauftragt zu haben, dem Abgeordneten Wolf zu helfen. Nach Topoláneks Meinung sei die ganze Sache eine von den Sozialdemokraten losgetretene mediale Hexenjagd gegen Wolf. Über das Treffen von Dalík mit dem Reporter des Tschechischen Fernsehens gibt sich der Premier aber ahnungslos:

Petr Wolf und Mirek Topolánek (Foto: ČTK)Petr Wolf und Mirek Topolánek (Foto: ČTK) „Über das Treffen mit diesem Menschen, mit diesem Reporter habe ich nichts gewusst. Solche Dinge tue ich nicht.“

Wolf ist Premierminister Topolánek für seine Unterstützung dankbar. Es handele sich um einen reinen Akt der Menschlichkeit. Seine Rolle als so genannter Überläufer, sprich als Mehrheitsbeschaffer der Regierungskoalition, hätte damit nichts zu tun. Außerdem weise er die Vorwürfe der Zweckentfremdung von Geldern selbstverständlich zurück. Und auf die Frage, ob er persönlich Topolánek um Unterstützung gebeten habe, antwortete Wolf eindeutig:

„Nein! Nein!“