Tagesecho Deutsch-tschechisches Trio lässt die Puppen tanzen

31-05-2010 11:00 | Jenifer Becker

Helga Brehme ist Leiterin des Theaters am Faden in Stuttgart. Auf ihrer Bühne stehen keine Schauspieler im Rampenlicht - es sind Marionetten, denen die Puppenspielerin Leben einhaucht. Zur Zeit ist sie mit den tschechischen Puppenspielern Věra Říčařová und František Vítek in Tschechien auf Tournee. Bis zum 3. Juni spielen sie das Stück „Der 12-Elf hebt die linke Hand – da schlägt es Mitternacht im Land“ in Brno / Brünn, Prag und Pardubice / Pardubitz.

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Eine Puppe öffnet ihre Augen, kratzt sich am Kopf und lässt ihren rechten Arm baumeln. Es scheint so, als habe sie lange Zeit geschlafen und erwacht langsam zum Leben. Wenn Helga Brehme, Věra Říčařová und František Vítek ihre Puppen tanzen lassen, sind es für sie tatsächlich keine Gegenstände, sondern kleine Persönlichkeiten. Für Helga Brehme ist Puppentheater eine Leidenschaft:

Věra Říčařová, František Vítek und Helga Brehme (Foto: Jenifer Becker)Věra Říčařová, František Vítek und Helga Brehme (Foto: Jenifer Becker) „Eine Puppe ist auch ein Wesen. Sie ist nicht nur eine Nachahmung eines Menschen, sondern sie hat auch ihren eigenen Charakter. Das versuchen wir zu berücksichtigen, wenn wir sie spielen lassen.“

Die deutsche Puppenspielerin und ihre tschechischen Kollegen kennen sich schon seit über 40 Jahren. Helga Brehme studierte im Prag der 60er Jahre Puppenspiel und traf damals Věra Říčařová und František Vítek. Ausgetauscht haben sie sich schon immer, aber das Stück „Der 12-Elf hebt die linke Hand, da schlägt es Mitternacht im Land“ ist ihre erste gemeinsame Produktion. Věra Říčařová erklärt, wie die Idee entstanden ist:

Foto: www.theateramfaden.deFoto: www.theateramfaden.de „Dieses Stück entstand zufällig. Es hat keine Geschichte, sondern es handelt sich um verschiedene, zufällige Geschichten. Es ist eine Improvisation in bestimmten Grenzen.“

Das Trio spielt mit chinesischen Schattenfiguren, böhmischen Marionetten und anderen Puppen aus der ganzen Welt. Zwischen den Improvisationen sind Gedichte und Textauszüge von Christian Morgenstern eingebaut. Im Gegensatz zu Deutschland ist in Tschechien die Puppentheater-Tradition viel ausgeprägter, sagt Helga Brehme.

„In den ganzen früheren kommunistischen Ländern war das Puppenspiel viel mehr verbreitet. Es wurde unterstützt und es gab große Theater mit vielen Leuten. Alle Kinder sollten Puppentheater sehen. In Deutschland wird das Puppentheater nicht so stark unterstützt. Oft gibt es nur Einzelspieler, die alleine spielen.“

Foto: www.theateramfaden.deFoto: www.theateramfaden.de Puppentheater ist nicht nur für Kinder. Eher im Gegenteil. Das deutsch-tschechische Trio thematisiert Konflikte wie Liebe und Verrat oder Schönheit und Zerfall. Während ihrer Tournee haben die drei verschiedene Erfahrungen mit dem Publikum in Deutschland und Tschechien gemacht. František Vítek beschreibt das so:

„Die Tschechen wissen mehr über Puppenspiel und sind nicht so tolerant wie die Deutschen.“

Am 3. Juni spielen die drei Puppenspieler noch einmal in Tschechien. In Pardubice tanzen dann zum letzten Mal die Puppen, die Brehme, Vítek und Říčařová zum Leben erwecken.

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