Tagesecho Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds blickt besorgt nach Nordböhmen
Seit 1997 unterstützt der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds Projekte, deren Ziel es ist, die Verständigung zwischen den Menschen aus beiden Ländern zu verbessern. Anfang dieser Woche kam der Verwaltungsrat des Fonds in Bautzen zu seiner vierteljährlichen Sitzung zusammen, um darüber zu beraten, welche Projekte künftig finanziell gefördert werden sollen. Am Mittwoch wurden die aktuellen Pläne dann in Prag präsentiert.
Mehr als 524.000 Euro gab der Verwaltungsrat des Deutsch-Tschechischen
Zukunftsfonds frei, gefördert werden sollen damit insgesamt 96
Partnerschaftsprojekte. Darunter ist etwa ein Projekt des Pilsner
Jugendaustausch-Zentrums Tandem, das mithilfe von Sprachanimation
Schülerinnen und Schüler auf beiden Seiten der Grenze für die Sprache
des Nachbarn begeistern will. Unterstützt werden auch der
Sächsisch-Tschechische Theaterherbst oder eine tschechische Buchversion
des Dokumentarfilms „Shoah“, eines der eindrücklichsten
Oral-History-Zeugnisse über den Holocaust.
Tomáš Jelínek
Zum ersten Mal hat der Zukunftsfonds auch ein Thema des Jahres ausgerufen:
die Sprachförderung. Sprachkenntnisse seien eine entscheidende
Voraussetzung für gegenseitiges Verständnis und damit eine wichtige Basis
für die Entwicklung der deutsch-tschechischen Beziehungen, meint Tomáš
Jelínek, der tschechische Geschäftsführer des Zukunftsfonds. In letzter
Zeit nehme die Lust am Deutschlernen in Tschechien aber eher ab.
„Das Interesse sinkt. Deshalb halten wir es für notwenig, alles zu unternehmen, um diesen Trend wenn schon nicht zu stoppen, so doch wenigstens zu mildern. Wir wollen die deutsche Sprache in Tschechien, aber auch die tschechische Sprache in Deutschland unterstützen, und zwar in dem Sinne, dass wir das Interesse für die Sprache wecken.“
Angespannte Situation in Nordböhmen (Foto: ČTK)
Die Strategie: Für Projekte im Bereich Sprachförderung will der Fonds
statt der üblichen 50 Prozent bis zu 70 Prozent der Gesamtkosten
übernehmen.
Der Zukunftsfonds reagierte auch auf die aktuell angespannte Situation zwischen Roma und alteingesessener Bevölkerung in Nordböhmen, wo es nahe der deutschen Grenze jüngst zu Krawallen gekommen ist. Tomáš Jelínek:
„Wir spüren eine erhöhte Verantwortung für das Geschehen im Grenzgebiet, wo wir uns beim Erhalt und der Renovierung des deutsch-tschechischen Kulturerbes sehr stark engagieren. Deshalb haben wir auch darüber nachgedacht, was wir den Tschechen und Deutschen anbieten können, damit sie die Probleme, die dort derzeit die Situation beherrschen, gemeinsam lösen können.“
Der Zukunftsfonds selbst ruft keine konkreten Projekte ins Leben, weist
aber auf Bereiche hin, die ihm sinnvoll und damit förderungswürdig
erscheinen. In Nordböhmen, so Jelínek, könnten etwa Projekte im Bereich
Schüleraustausch oder Austausch von Sozialarbeitern hilfreich sein, jungen
Arbeitslosen könnte man Praktika im Nachbarland vermitteln und damit eine
neue Perspektive bieten.
„Es gibt also eine breite Palette von Möglichkeiten. Uns geht es darum, die deutsch-tschechische Grenze als Inspiration zu betrachten, und auch über die Grenze zu gucken, um zu sehen, wie ähnliche Probleme in Deutschland manchmal gelöst werden können.“








