Tagesecho Der tschechische Komponist Bohuslav Martinů ein weiteres Jahr im Mittelpunkt
Eigentlich war dem Österreichischen Kulturforum nur die Sonderausgabe der österreichischen Zeitschrift „Musikzeit“ über Bohuslav Martinů ins Haus geflattert. Dem Leiter des Forums, Florian Haug, kam die Idee den tschechischen Komponisten vorzustellen und er organisierte ein abendfüllendes Programm mit Vorträgen und natürlich Musik. Dafür sorgten die Preisträger des Martinů-Musik-Wettbewerbs 2009, Pianist Maxim Averkiev und Geiger Michal Sedláček. Die Besucher des Österreichischen Kulturforums wurden am Dienstag auf den tschechischen Komponisten mit dessen erster Violinsonate eingestimmt.
Aleš Březina (Foto: www.martinu.cz)
Der Abend war eine unter vielen Martinů-Veranstaltungen. Denn noch bis
Ende 2010 schreiben wir die Martinů-Jahre. Erinnert wird mit Konzerten und
Vorträgen an einen der meistgespielten Komponisten des 20. Jahrhunderts.
Dazu Aleš Březina, der Leiter des Martinů-Instituts:
„Es ist ein Zweijahresprojekt, weil wir zwei Jubiläen zelebrieren wollten. Ein trauriges, den 50. Todestag im vergangenen Jahr und ein eher fröhliches, den 120. Geburtstag im Jahre 2010.“
Bohuslav Martinůs Leben umfasst vier Stationen. 1890 wurde er in Ostböhmen geboren. Er studierte in Prag Violine, Orgel und Komposition. Um sich und seiner Musik mehr Gehör zu verschaffen, zog es ihn als jungen Mann nach Paris, in die Künstlermetropole Europas. Als jedoch 1940 die deutschen Truppen näher rückten, floh er in die USA. Dort wurde er als gefeierter Komponist aufgenommen, wurde aber von Heimweh geplagt. Erst 1953 kehrte er nach Europa zurück, wo er die Jahre bis zu seinem Tod 1959 vornehmlich in der Schweiz verbrachte.
Bohuslav Martinů
Bohuslav Martinů war überzeugter Klassizist. Er legte Wert auf die Form
seiner Musik, nicht auf den Inhalt. Unter Klassizisten war er gefeiert,
unter Avantgardisten verpönt, unter den Kommunisten in seinem Heimatland
eine Persona non grata. Erst in der heutigen Postmoderne wird Martinů
wieder entdeckt. Wie auch die Zürcher Musikwissenschaftlerin und
Martinů-Expertin Ivana Rentsch beschreibt:
„Martinů ist natürlich für seine Zeit extrem wichtig. Er ist sicher einer der wichtigsten Komponisten der 20er bis 50er Jahre, zweifellos. Er wird jetzt nach und nach immer mehr entdeckt, wobei die Schwierigkeit ganz simpel auch darin besteht, dass er wahnsinnig viel komponiert hat. Es ist ganz schwierig einen Überblick zu gewinnen.“
Martinů probierte sich in vielen Genres aus. Er schuf über 400
Kompositionen. Die österreichische „Musikzeit“ versucht in ihrer
Sonderausgabe einen roten Faden in Martinůs Werk aufzuzeigen. Sie bietet
einen Überblick über den heutigen Forschungsstand. Die Herausgeberin,
Marion Diederichs-Lafite, ist von Martinů fasziniert:
„Ich halte sein Schaffen für eine wirklich unglaubliche Kombination von einerseits einem gewissen rhythmischen Puls, der auch Menschen anspricht und andererseits gibt es ein improvisatorisches Element, das nicht starr ist, sondern die Musik atmen lässt.“
Wie Diederichs-Lafite, begeisterten sich fünfzig weitere Zuschauer aus Frankreich, Österreich, Tschechien und der Schweiz an diesem Abend für den Komponisten. Der Kosmopolit Bohuslav Martinů hatte es geschafft viele Nationen zusammen zu bringen. Der Abend klang mit seiner „Arabeske Nummer 6“ aus.









