Tagesecho Der Traum von den Olympischen Spiele in Prag ist aus
Im Traum gewonnen, im Traum zerronnen, schrieb einst ein tschechischer Poet. Am Dienstag ist ein Traum vieler Tschechen in der Tat zerronnen - durch einen ganz realen Beschluss des Prager Stadtrats nämlich. Über den werden sich wiederum auch viele freuen. Er lautet: Olympische Spiele in Prag wird es nicht geben.
Im September 2007 wurde die umstrittene Bewerbung zur Ausrichtung der
Olympischen Sommerspiele 2016 verkündet. Bei der Entscheidung des
Internationalen Olympischen Kommitees über die Kandidatennominierung ist
Prag aber gleich in der ersten Runde ausgeschieden. Trotzdem wollten die
Hauptpropagatoren des Projektes, der Prager Oberbürgermeister Pavel Bém
und der Vorsitzende des Tschechischen Olympischen Komitees, Milan
Jirásek,
nicht aufgeben. Die Rede war von einer möglichen Olympia-Kandidatur für
2020. Unter Verweis auf die knappen Kassen der Stadt Prag gab Bém aber
nun
bekannt:
Man suche nach Sparmaßnahmen, wo es nur möglich sei, und als eine davon gelte der Verzicht auf die Olympiakandidatur im Jahr 2020. Die Bewerbungskampagne habe Pavel Bém zufolge zwar einiges gekostet, vergebens sei sie aber nicht gewesen.
Milan Jirásek und Pavel Bém (Foto: ČTK)
„Die Kandidatur an sich war auch eine Art gute Reklame. Hätte Prag
diese Reklame nach den üblichen Standards finanziert, würden die
Ausgaben
höchstwahrscheinlich noch sehr viel höher liegen.“
Die Gegnerin des Olympia-Projektes und Stadtratmitglied Markéta Reedová reagierte wie folgt:
„Die Bewerbung für Olympia-Kandidatur kann zwar ein guter Marketingsschritt sein, doch Prags Platzierung ist ja bekanntlich nicht bestens ausgefallen. Die Fata Morgana hat sich aufgelöst.“
Die erfolglose Kampagne hat den tschechischen Staat 70 Millionen Kronen, rund 2,5 Millionen Euro, gekostet. Der große Verfechter der Olympischen Spiele in Prag und Mount-Everest- Bezwinger, Pavel Bém, hat eine Niederlage erlitten. Die verkauft er nun aber vor laufenden Kameras als ökonomisch erzwungene Positionsänderung. Das dürfte einen Grund haben: die vorgezogenen Parlamentswahlen im Oktober. Man vermutet, dass Bém für die Bürgerdemokraten (ODS) in Prag kandidieren will. Die umstrittene Olympia-Kandidatur Prags könnte dem Oberbürgermeister dabei zur Last werden, meint der Politologe Jan Kubáček:
„Er will diese unangenehme Angelegenheit, die oft erwähnt wird und die ihm einen Verlust von Wählerstimmen, besonders in Prag, bringen könnte, so schnell wie möglich loswerden.“







