Tagesecho „Der pünktlichste und verlässlichste Mensch“ – Helmut Berger erhält Filmpreis Kristián
Der österreichische Schauspieler Helmut Berger hat am Mittwoch in Prag einen Preis für sein Lebenswerk bekommen. Den so genannten „Kristián“ überreichte die Schauspielerin und Juryvorsitzende Dagmar Havlová beim Filmfestival Febiofest, also die Frau von Ex-Präsident Havel. Helmut Berger war im Kino Cinestar Anděl gleich dreifach zu bewundern: Live als Ehrengast und auf der Leinwand in seinem neuesten Film „Blutsfreundschaft“ sowie in Luchino Viscontis „Ludwig“, der zu Bergers berühmtesten Streifen zählt.
Dagmar Havlová und Helmut Berger (Foto: ČTK)
Für Helmut Berger, der in den letzten Jahren immer wieder mit
Skandalauftritten Schlagzeilen gemacht hat, war es ein recht gemäßigter
Auftritt in Prag. Der 66-Jährige nahm den Preis entgegen, widmete ihn
seinem ehemaligen Regisseur und Lebensgefährten Luchino Visconti und bat
darum, sich rasch wieder setzen zu dürfen. Allerdings nicht ohne einen
Gruß an das Prager Publikum:
„Ahoj krásná Praha!“
Warum Berger den Kristián für sein Lebenswerk erhalten hat – oder wie es im Tschechischen heißt: für seinen Beitrag zur internationalen Kinematografie – erklärte Programmdirektor Štefan Uhrík in seiner Laudatio.
Štefan Uhrík
„Es gibt Schauspieler, die können uns mit ihrem Gesichtsausdruck, ihrem
Blick oder mit einer einzigen Geste staunen lassen über die
Zerbrechlichkeit und die Vergänglichkeit der Schönheit, ja der ganzen
menschlichen Existenz. Helmut Berger gehört zweifellos zu diesen
Schauspielern. Seine Rollen in Filmen wie ´Ludwig´, ´Die Verdammten´,
´Die romantische Engländerin´, ´Das Bildnis des Dorian Gray´ und nicht
zuletzt in ´Blutsfreundschaft´ werden uns Zuschauern für immer erhalten
bleiben.“
Zur Verleihung war auch Regisseur Peter Kern gekommen, der erklärte, warum er die Hauptrolle in seinem Film „Blutsfreundschaft“ mit Helmut Berger besetzt hat:
Peter Kern (Foto: ČTK)
„Weil Helmut Berger einen Teil seines Lebens offenbart auf der Leinwand.
Er braucht nicht mehr zu spielen. Er reißt sich das Herz aus und denkt und
ist. Und das macht ihn so besonders, weil er das, was er auf der Leinwand
sagt, auch lebt.“
Der Wahnsinn, so Kern, spiele sich bei Berger folglich eben nicht nur auf der Leinwand, sondern manchmal auch im wahren Leben ab. In Kerns „Blutsfreundschaft“ verkörpert Berger einen alten Homosexuellen, der als Kind seinen Freund an die Nationalsozialisten verraten hat. Er kümmert sich um den jungen arbeitslosen Alex, der von zu Hause ausgezogen ist und in der Neonazi-Szene Zuflucht sucht. Entgegen der verbreiteten Klischees über Berger berichtete Regisseur Kern über die Dreharbeiten nur Positives:
„Blutsfreundschaft“
„Es war eine wunderschöne Arbeit. Er war der pünktlichste und
verlässlichste Mensch. Alle freuten sich, mit ihm zu spielen. Er war
aufregend, er war da – präsent auf der Leinwand. Er hat auch mit diesem
Film ein großes Comeback auf der ganzen Welt erreicht.“
Für Berger ist der Kristián des Febiofests bereits die zweite Auszeichnung, die er für sein Gesamtwerk erhält. 2007 hatte der Österreicher dafür den Special Teddy Award erhalten, den Queer-Filmpreis der Berlinale.







