Tagesecho Der gefährdete Kuckuck ist Vogel des Jahres 2010 in Tschechien
Der Vogel gilt als ein Frühlingsbote: Seinen typischen Doppelruf kann man bei uns zum ersten Mal etwa Mitte April hören. Zudem ist der Zugvogel durch sein räuberisches Verhalten bekannt geworden: Jeder weiß, dass er seine Eier in fremde Nester legt. Es geht um den Kuckuck. Er wurde in Tschechien nun zum Vogel des Jahres 2010 erklärt.
Cuculus canorus
Diese Vogelstimme kennt jeder und es ist zweifelsohne die bekannteste
Vogelstimme überhaupt. Gesehen haben den Kuckuck jedoch nur wenige, weil
er sich eher unauffällig verhält. Es könnte aber passieren, dass es in
einigen Jahren mit der Ankündigung des Frühlings durch den Kuckuck nicht
mehr so selbstverständlich ist wie bisher. Denn er ist bedroht, darauf
machen Experten von der Tschechischen Ornithologischen Gesellschaft
aufmerksam. Sie wählten den Kuckuck am Dienstag zum Vogel des
Jahres 2010. Für diese Wahl gebe es einige Gründe, meint
Chef-Ornithologe
Zdeněk Vermouzek:
„Das laufende Jahr ist von der Uno zum internationalen Jahr der
Biodiversität erklärt worden. Wir haben deswegen nach einer Vogelart
gesucht, die jeder bei uns kennt. Zudem taucht der Kuckuck in vielen
Bauernregeln, im Aberglauben und in Liedern auf. Die Zahl der Kuckucke ist
jedoch vor allem in den letzten 15 Jahren bei uns rasant gesunken und wir
wissen nicht warum.“
Die Ornithologen vermuten, dass das allmähliche Verschwinden des Kuckucks
mit der Intensivierung der Landwirtschaft zusammenhängen könnte. Die
fortschreitende Mechanisierung sowie Insektenbekämpfung könnte sich
ihrer
Meinung nach auf das Vogelleben negativ auswirken.
Foto: ČTKDie sinkende Zahl von
Kuckucken in Mitteleuropa kann aber auch mit den Veränderungen in den
Regionen Afrikas zusammenhängen, wo die Zugvögel überwintern. Wie
Vermouzek einräumt, wissen die Experten über das Überwintern der
Kuckucke jedoch bislang allzu wenig. Es wäre notwendig, dies nachzuholen,
denn:
„Wenn der Kuckuck in Mitteleuropa verschwinden würde, würden wir
damit
eine besondere Vogelart verlieren.
Foto: ČTKDer Kuckuck ist der einzige Brutparasit
in Mitteleuropa, das heißt ein Vogel, der kein eigenes Nest baut und
seine Eier stattdessen in fremde Nester legt. Die Beziehung zwischen dem
Vogel, der der Gastgeber im Nest ist, und dem kleinen Kuckuck, dem
Brutparasiten, ist ein hervorragendes Thema für die Erforschung
allgemeiner Gesetzmäßigkeiten in der Natur.“
In Tschechien gab es letztes Jahr noch 35.000 bis 70.000 Kuckuckpaare. Das ist nur noch halb soviel wie Mitte der 50er Jahre. Der Kuckuck soll im internationalen Jahr der Biodiversität als Beispiel für die Vielfalt der Natur dienen, die geschützt werden sollte.







