Tagesecho Der Dalai Lama in Prag – Deklaration zur Unterstützung aller Dissidenten der Welt
Das geistige Oberhaupt Tibets, der Dalai Lama, hat in den vergangenen Tagen einen Besuch in Tschechien abgestattet. Nach Prag kam er auf Einladung von Ex-Präsident Václav Havel und der Stiftung Forum 2000. Auf dem Programm stand eine Debatte am runden Tisch über Demokratie und Menschenrechte in Asien, ein Vortrag des tibetischen Geistigen, aber auch ein privates Treffen mit Václav Havel.
Dalai Lama (Foto: ČTK)
Die Reisen des Dalai Lamas nach Prag sind bereits zu einer Tradition
geworden. Er hat 1990 auf Einladung des damaligen Präsidenten Václav
Havel zum ersten Mal die Moldau-Stadt besucht und kehrt seitdem wiederholt
nach Tschechien zurück. Zwischen Václav Havel und ihm ist inzwischen eine
Freundschaft entstanden und sie trafen auch dieses Mal zusammen, obwohl
Václav Havel mit langwierigen gesundheitlichen Problemen kämpft. Das
Treffen sei für ihn von großer Bedeutung gewesen, betonte der tibetische
Geistige. Er äußerte seine Sorge um den Gesundheitszustand seines
Freundes und bot ihm tibetische Medizin an. Er betonte, Václav Havel sei
zwar krank, sein Geist sei aber sehr klar und sehr stark.
Bernard Kouchner
Der tschechische Ex-Präsident Václav Havel, der tibetische Dalai Lama
und der ehemalige französische Außenminister Bernard Kouchner haben in
Prag eine Deklaration unterzeichnet, in der die internationale
Völkergemeinschaft dazu aufgerufen wird, allen Dissidenten dieser Welt
ihre Unterstützung zu gewähren. In der Deklaration wird angeführt, dass
die Welt sich in der letzten Zeit sehr stark auf die Wirtschaft in Asien
konzentriere, leider aber nicht auf den Umgang mit den Menschenrechten in
Ländern wie China, Nordkorea, Iran und Syrien. Die Autoren des Aufrufs
erklärten, die Durchsetzung der Menschenrechte stagniere beziehungsweise
verschlechtere sich sogar. Ein offenes, freies China wäre dagegen für
Asien und die gesamte Welt von außerordentlicher Wichtigkeit, sagte der
Dalai Lama in Prag.
Karel Schwarzenberg und der Dalai Lama (Foto: ČTK)
An die Adresse Chinas bemerkte er, dass dieses Land dem ganzen Planeten
viel Nutzen bringen könne. Es fehle aber der internationale Respekt
gegenüber China, weil man Angst vor dem kommunistischen System habe:
„China braucht den Respekt seitens der Welt. Der Respekt hängt eng vom
Vertrauen ab, das im totalitären System fehlt.“
Die chinesische Botschaft in Prag hat den Besuch misstrauisch beobachtet. Die Reisen des Dalai Lamas rufen zumeist offizielle Proteste seitens Chinas hervor, deswegen stehen häufig keine Treffen mit Spitzenpolitikern auf dem Programm. In Prag kam er nur zu einem kurzen privaten Gespräch mit Außenminister Karel Schwarzenberg zusammen. Das Thema der Abspaltung Tibets wurde in Prag nicht angesprochen.
Schirin Ebadi und der Dalai Lama (Foto: ČTK)
Einer der Höhepunkte des Besuchs des geistigen Führers Tibets war eine
Diskussionsrunde in der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität zum
Thema Menschenrechte in Asien. Teilgenommen haben daran der französische
Ex-Außenminister Bernard Kouchner, die iranische Anwältin und
Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi sowie Stéphane Hessel, einer der
Co-Autoren der allgemeinen Menschenrechtserklärung von 1948.






