Tagesecho Der Comiczeichner Kája Saudek und die goldenen Sechziger
In Tschechien kennt die Gebrüder Saudek fast jeder. Der Fotograf Jan Saudek ist auch international bekannt. Was viele nicht wissen: Auch sein Zwillingsbruder Kája ist Künstler, nämlich Comiczeichner. Das Tschechische Zentrum Prag widmet dem seit drei Jahren im Koma liegenden Kája Saudek nun eine umfassende Ausstellung.
Kája Saudek
Seinen Durchbruch feierte Kája Saudek bereits 1966. Bis heute ist er der
große Star der tschechischen Comic-Szene. Sein Stil ist ein Mix aus
Art-Nouveau und Pop-Art. Die Ausstellung „Kája Saudek and the ’60s or
the Golden sixties comics-wise!“ im Tschechischen Zentrum in Prag gibt
vor allem einen Einblick ins Frühwerk Saudeks. Die Kuratorin der
Ausstellung ist die Kunsthistorikerin Helena Diesing:
„Der Katalog der Ausstellung ist das Ergebnis meiner dreijährigen
Forschung. Die meisten Besucher kennen Kája Saudek zwar schon, aber sie
kommen, weil es bis heute keine bedeutende Ausstellung von ihm gab, vor
allem nicht mit seinen Werken aus den sechziger Jahren.“
Für die schon älteren Besucher bietet die Ausstellung also vor allem eines: einen nostalgischen Rückblick in ihre Jugendjahre. Kája Saudek inspiriert aber auch die jüngere Generation. Dieser Ausstellungsbesucher hält ihn gar für eine Art Guru:
„Er hat seine Inspiration aus der ‚westlichen Welt’ genommen. Ich
habe alles von ihm gesammelt, ich habe ihn besucht und ich habe Bilder von
ihm nachgezeichnet. Seine Comics, sein Sarkasmus, sein Witz und die ganze
Komik, die man auch in der Ausstellung finden kann, das ist einfach typisch
Saudek, das ist Tschechien“, so ein Mann mittleren Alters.
In der Ausstellung „Kája Saudek and the ’60s“ sind auch
unveröffentlichte Arbeiten des Künstlers zu sehen, unter anderem
Filmausschnitte aus dem Erstlingswerk „Who wants to kill Jessie?“,
Werbeplakate, Poster und natürlich Comicstrips. Eine zentrale Rolle nehmen
allerdings die Fotos seines
Zwillingsbruders Jan ein, die Kája Saudek im
Comicstil überarbeitet hat. Die 1960er Jahre waren für Kája Saudek
zugleich Startschuss und Höhepunkt seiner Karriere. Die Ausstellung trägt
nicht ohne Grund den Untertitel „The Golden sixties comics-wise“, wie
Kuratorin Helena Diesing erklärt:
„In der tschechischen Kunst nennt man den Abschnitt zwischen 1964 und
1968/69 goldene Sechziger.
Die gelockerte Atmosphäre in der Gesellschaft
führte dazu, dass eine Reihe von Kunstwerken und Zeitschriften erschienen,
die zuvor in den 1950er Jahren nicht möglich gewesen waren.“
In der bedrückenden Zeit der so genannten Normalisierung in den 1970er und 1980er Jahren galten Comics in der damaligen Tschechoslowakei als kapitalistischer Schund. Kája Saudek konnte nicht mehr an seine Erfolge aus den 1960er Jahren anknüpfen.
„Kája Saudek and the ’60s or the Golden sixties comics-wise!“ ist noch bis zum 2. Januar im Tschechischen Zentrum Prag zu sehen. Der Eintritt ist frei.








