Tagesecho Denkmalschützer wollen Besucherzahlen in tschechischen Schlössern und Burgen anheben
Tschechien ist ein Land der Schlösser und Burgen. Doch seit der Wende besuchen immer weniger Menschen diese traditionellen Touristenziele außerhalb von Prag. Die gesamtstaatliche Denkmalschutzbehörde startet nun aber eine Kampagne, um wieder mehr Gäste aus dem In- und Ausland genau dorthin zu führen.
Petr Svoboda (Foto: Tschechisches Fernsehen)
In den letzten Jahren konzentrieren sich die Touristen in Tschechien
vermehrt auf ein einziges Ziel: die Stadt Prag. All die anderen schönen
Orte außerhalb der tschechischen Hauptstadt haben hingegen das Nachsehen.
Es bleiben vor allem die ausländischen Gäste weg. Der Rückgang verläuft
in Wellen, nach den Anschlägen von New York im Jahr 2001 gingen die Zahlen
rapide bergab. Danach stiegen sie wieder an, aber die Finanz- und
Wirtschaftskrise bedeutete einen erneuten Schlag, wie der stellvertretende
Leiter der tschechischen Denkmalschutzbehörde, Petr Svoboda, gegenüber
Radio Prag erläuterte:
„Jährlich führen wir 4,4 Millionen Besucher durch die Schlösser und Burgen, darunter sind 440.000 Ausländer, also zehn Prozent. In der letzten Zeit liegt der Rückgang der ausländischen Besucherzahlen bei 15 bis 20 Prozent im Jahr. Das Bild ist allerdings etwas verzerrt, da wir die ausländischen Besucher nicht immer erkennen. Wir können nur erfassen, wie viele Menschen an Führungen in einer Fremdsprache teilnehmen oder sich einen Audio-Guide nehmen. Wenn ein Ausländer aber an einer tschechischen Führung teilnimmt, gilt er als Inländer.“
Burg Karlstein (Foto: CzechTourism)
Die tschechische Denkmalschutzbehörde verwaltet insgesamt 103 Objekte,
und 90 davon können besucht werden. Zu den bekanntesten gehören die Burg
Karlstein in Mittelböhmen, Český Krumlov / Krumau in Südböhmen und das
weitläufige Schlossareal von Lednice / Eisgrub in Südmähren.
Traditionell die meisten ausländischen Besucher kommen aus Deutschland,
gefolgt von Holländern und Franzosen. Um sie und die Gäste aus weiteren
Ländern wieder verstärkt für Sehenswürdigkeiten außerhalb von Prag zu
begeistern, versucht die Behörde zwei Wege. Im Vordergrund steht die
Zusammenarbeit mit CzechTourism, der Regierungsagentur, die sich um den
Incoming-Tourismus und die Präsentation der Tschechischen Republik im
Ausland kümmert:
„An unserem mittelböhmischen Sitz haben wir ein Buchungszentrum
eingerichtet, das vor allem Reiseagenturen und Reiseveranstalter betreut,
aber auch Besichtigungstouren für Einzelpersonen bucht. So zum Beispiel
für die Kreuzkapelle auf Karlstein, weil dort nur 15 Besucher in der
halben Stunde hineindürfen. Zudem haben wir ein spezielles System
eingerichtet, über das die Reiseagenturen, die mit uns einen Vertrag
haben, direkt buchen können. Sie können dort auch beispielsweise eine
Führung in Italienisch anfordern, und wir kümmern uns dann um einen
italienischen Fremdenführer.“
Vor kurzem haben aber die Denkmalschützer auch einen Vertrag mit dem Verband der Hostels abgeschlossen. Hintergrund ist, dass zwar die Zahl der organisierten Reisegruppen abnimmt, dafür aber immer mehr Besucher individuell anreisen. Man wolle sich daher verstärkt an die jungen ausländischen Leute wenden, die in den Hostels unterkommen, sagt Petr Svoboda:
„Der Vertrag beinhaltet die Werbung auf den Webseiten des tschechischen
und des internationalen Hostel-Verbandes. So erfahren die jungen Leute
schon bei der Planung ihres Urlaubs in Tschechien, dass sie mit ihrem
Hostel-Ausweis bei uns eine Ermäßigung von etwa 30 Prozent erhalten.
Zudem verteilen wir unsere Flyer an internationale Buslinien, unser
Werbematerial liegt in den Hostels und an vielen weiteren Orten in
Tschechien aus.“








