Tagesecho Denkmal für historische Wahrheit
Ein großer Teil des Böhmerwalds war während der kommunistischen Zeit Bestandteil des Militärsperrgebiets. Das durch die einzigartige Landschaft berühmt gewordene Gebiet kann man erst seit den letzten 15 Jahren begehen und auf historische Spuren untersuchen. Von der einstigen Existenz der Böhmerwalder Gemeinde Zhurí u Javorné zeugt heute nur noch eine vor einigen Jahren errichtete kleine Kapelle, die u. a. an die nach dem Krieg vertriebene deutsche Bevölkerung erinnert. In ihrer Nähe findet man auch ein Denkmal für die US-Soldaten, die hier kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs gefallen sind. Mehr von Martina Schneibergova.
Denkmal (Foto: Autorin)
Zhurí (Haidl am Ahornberg) liegt heute im Nationalpark Böhmerwald und ist
nur zu Fuß bzw. mit einem Rad zu erreichen. In Zhurí spielte sich am 5.
Mai 1945 eine der letzten in Westböhmen geführten Kampfhandlungen des
Zweiten Weltkriegs ab. Der Bürgermeister der nahe liegenden Stadt
Hartmanice (Hartmanitz) Jirí Jukl sagt über die Hintergründe:
"In dem unweit gelegenen Dolejsi Tesov war damals eine SS-Unteroffizierschule. Der Befehlshaber nutzte die Umstände aus, dass die Bevölkerung froh war, dass der Krieg fast zu Ende war und vor der US-Armee kapitulierte. Er ließ an den Häusern weiße Fahnen anbringen und stellte dort zwei vorher erbeutete US-Geländewagen auf. In diese tödliche Falle lockte er den Vortrupp der US-Armee, die der Meinung war, dass der Ort bereits unter der Kontrolle der US-Soldaten war."
Jirí Jukl (links) und Ivan Petru (Foto: Autorin)
Bemühungen, ein Denkmal für die Opfer der letzten Kampfhandlungen zu
errichten, hat es dem Bürgermeister zufolge schon vor Jahren gegeben.
Während des kommunistischen Regimes durfte man jedoch nicht sagen, dass
Westböhmen durch die US-Truppen befreit wurde.
Nach der Wende wurde ein Denkmal in Zhurí vom Verein der Böhmerwald-Freunde initiiert. Der Vereinsvorsitzende Ivan Petru schildert seine Erfahrung:
Kapelle (Foto: Autorin)
"Als ich nach der Wende auf dem Bezirksschulamt arbeitete, stieß
ich
u. a. auf Materialien eines ehemaligen Amtsleiters, der den Gedanken groß
propagierte, dass Westböhmen durch die sowjetischen Truppen befreit wurde,
die jedoch in US-Uniformen gekleidet waren. Vor ein paar Jahren waren wir
erschrocken, wie sich die Kommunisten wieder durchzusetzen versuchen und
wir hatten Angst, dass man die Geschichte wieder umschreiben könnte. Wir
wussten, dass hier fast am Ende des Zweiten Weltkriegs die letzten
Soldaten fielen.
Obwohl ich damals Leiter des Bezirksamtes in Klatovy war,
wollten wir die Staatsverwaltung nicht mit einbeziehen. Es gelang uns,
eine
Gruppe von Böhmerwald-Freunden für das Vorhaben zu begeistern. Wir
entschieden uns, etwas nicht nur für die gefallen US-Soldaten, sondern vor
allem auch für die Idee der Demokratie und Freiheit zu machen."
Für das Denkmal wurde in Zusammenarbeit mit Bürgermeister Jirí Jukl ein
geeigneter Platz gefunden - unweit der 1999 geweihten Kapelle. Das Denkmal
wurde vor fünf Jahren offiziell enthüllt. In diesem Jahr wurde eine kleine
Tafel mit den Namen der Gefallenen Soldaten auf der Seite des Steins
befestigt. Die Namen wurden dem Bürgermeister zufolge erst vor kurzem in
den Archiven in Washington gefunden. Wie die Initiatoren des Denkmals
betonen, wollen sie daraus keine große offizielle Angelegenheit machen.
Sie treffen sich jedes Jahr zu einer Gedenkveranstaltung, die nicht wie
alle anderen Veranstaltungen zum Kriegsende im Mai, sondern erst im Juli -
um den Nationalfeiertag der USA - organisiert wird.






