Dem „Grünen Arabien“ auf den Spuren

Erstmals organisieren tschechische Forscher eine Expedition in den Oman. Sie leisten dort Pionierarbeit.

Oman (Foto: CC BY 2.0)Oman (Foto: CC BY 2.0) Noch bevor der legendäre Sindbad in See stach, war der Oman ein grünes Paradies. Davon gehen heutzutage zahlreiche Archäologen aus, unter anderem aus Tschechien. Inna Mateiciucová ist Altertumsforscherin an der Masaryk-Universität in Brno / Brünn und leitet ab November eine Expedition in das arabische Land:

„Wir gehen von der Annahme aus, dass ganz Arabien vor gut 4000 bis 5000 Jahren grün war. Noch heute gibt es eine kleine Region im Süden des Omans, die durch den Monsun ein ausgewogenes Klima und eine Vegetation hat. Damals bestimmte der Monsun viel größere Teile der arabischen Halbinsel. Deshalb spricht man heute auch vom ‚Grünen Arabien‘. Im Norden des Omans gab es also ein Feuchtgebiet, das voller Tiere und damit auch Menschen war. Das heißt, die ganze Halbinsel, die heute ja wüst und leer ist, könnte damals besiedelt gewesen sein.“

Inna Mateiciucová (Foto: Archiv der Masaryk-Universität in Brno)Inna Mateiciucová (Foto: Archiv der Masaryk-Universität in Brno) Das Brünner Forscherteam will sich demnach auf einen ausgetrockneten See in diesem Gebiet konzentrieren und dort die Überreste von Siedlungen erkunden. Ganz allein sind die tschechischen Wissenschaftler jedoch nicht auf genau diesen Ort gekommen.

„Den Tipp zu dem ausgetrockneten See hatten wir von einem Geologen aus Deutschland. Wir sind da hellhörig geworden, da wir so etwas ohne Erfolg schon auf Kreta untersucht haben. Wir sind dann vergangenen Frühling in den Oman geflogen und haben festgestellt, dass es da genug interessante archäologische Stätten gibt“, erläutert Mateiciucová.

Foto: CC BY 2.0Foto: CC BY 2.0 Die Expedition in dem Sultanat ist eine Prämiere für die tschechischen Archäologen. Das Team um Mateiciucová ist das erste aus dem mitteleuropäischen Land, das in dem südarabischen Land eine archäologische Konzession bekommen hat. Laut der Wissenschaftlerin ist das eine hohe Anerkennung für ihr junges Institut:

„Unser Team und die Masaryk-Universität können sehr stolz darauf sein, nun im Oman forschen zu dürfen. Wir haben uns dabei gegen eine sehr starke Konkurrenz aus dem Ausland durchgesetzt. Die Archäologie des Vorderen Orients ist hierzulande noch ein sehr junges Fach und hat eigentlich keine wirkliche Tradition.“

Alois Musil (Foto: Public Domain)Alois Musil (Foto: Public Domain) Dabei gab es erste Ansätze in der tschechischen Orientforschung schon vor dem Zweiten Weltkrieg. Das beweisen vor allem Namen wie Alois Musil und Bedřich Hrozný. Letzterer gilt als Pionier bei der Entschlüsselung von hethitischen Keilschriften. Aber auch jetzt müssen sich beispielsweise die Brünner Altertumsforscher und Orientalisten nicht verstecken. Inna Mateiciucová und ihre Mitarbeiter haben gute Arbeit geleistet in Syrien, das Land mussten sie wegen des Bürgerkrieges jedoch verlassen. Nun ist Mateiciucová froh, dass man den Zuschlag für die Forschungen im südarabischen Oman bekommen hat. Denn gerade da gibt es noch viel zu entdecken:

„Die Archäologie im Oman ist noch sehr jung, es gibt sie erst seit den 1970er Jahren. Und erst seit dem Bürgerkrieg im Syrien ist sie in den Fokus der internationalen Forschung gerückt und erlebt dadurch einen Boom. Wir haben also die einmalige Gelegenheit, zu den Pionieren zu gehören, die die Geschichte des Oman umschreiben – oder diese sogar überhaupt erst schreiben können.“