Tagesecho Čunek-Comeback: Plan B und Knirschen in der Koalition
Regierungschef Mirek Topolánek ist als Hüter seiner Dreierkoalition nicht zu beneiden. Kaum sind die Präsidentschaftswahlen mit starkem Knirschen im Gebälk der Regierungsarchitektur aber dennoch erfolgreich überstanden, steht der nächste Streitpunkt an – die Rückkehr von Christdemokraten-Chef Jiří Čunek ins Kabinett.
Jiří Čunek
Als Vizepremier und Minister für Regionalentwicklung hatte Čunek im
vergangenen November seinen Hut nehmen müssen. Korruptionsvorwürfe und
der Verdacht auf Sozialmissbrauch hatten dem politischen Senkrechtstarter
die Flügel gestutzt. Die polizeilichen Untersuchungen haben die Vorwürfe
aber nicht erhärten können, und deshalb pochen die Christdemokraten nun
auf den zuvor vereinbarten Plan B: Čunek darf zurück ins Kabinett,
lautet
der. Ein Plan, der aber den Grünen ganz und gar nicht gefällt. Ihnen
liegen immer noch die kernigen Meinungsäußerungen des Ex-Ministers zur
Romafrage im Magen, und auch die unübersichtlichen Finanzverhältnisse
Čuneks mit großen Bareinzahlungen und angeblichen Krediten aus der
Verwandtschaft passen nicht zu dem grünen Anspruch einer neuen Offenheit.
Er oder ich, hat Außenminister Karel Schwarzenberg mit Blick auf ein
mögliches Čunek-Comeback bereits vor einiger Zeit gedroht. Der
Rücktritt
Schwarzenbergs wäre ein schwerer Ansehensverlust für die Regierung.
Inzwischen klingt es aus dem Büro des Fürsten aber nicht mehr ganz so
kategorisch. Eine ordentliche Buchprüfung, so die Außenamts-Sprecherin,
würde es auch tun:
Außenminister Karel Schwarzenberg
„Der Minister selbst ist kein Buchhaltungs-Fachmann. Die Unterlagen
von
Herrn Čunek sollte ein geprüfter, unabhängiger Buchprüfer durchsehen,
und der könnte dann ein Gutachten abgeben, ob die Einnahmen und Ausgaben
von Herrn Čunek wirklich in Ordnung sind und ob es da nicht vielleicht
doch irgendwelche Lücken gibt. Das ist die Hauptbedingung, die Minister
Schwarzenberg gegenwärtig hat.“
Der erholt sich allerdings derzeit noch in Innsbruck von einer kürzlichen
Herzoperation. Und Premier Mirek Topolánek – der also, der so viel
Mühe
hat, seine Koalitionsschäfchen zusammenzuhalten? Der gab das Kommando
aus,
dass die Koalition nicht gefährdet werden dürfe – und besann sich
ansonsten auf ein bewährtes Rezept: raushalten und Dampf ablassen. Die
beiden Koalitionspartner sollten sich doch bitte untereinander
verständigen, hieß es aus dem Regierungsamt. Aber da Minister
Schwarzenberg ja noch in Rekonvaleszenz ist, eilt die Sache ohnehin
nicht.





