Tagesecho ČT-Bericht: Tschechische Produkte für das iranische Atomprogramm?
In den vertraulichen Dokumenten aus US-Botschaften, die von der Internetplattform WikiLeaks Ende November veröffentlicht wurden, kam Tschechien bisher nur am Rande vor. Am Dienstag aber berichtete das Tschechische Fernsehen erstmals über eine Depesche, in der Tschechien mit Geschäften zu so genannten Risikoländern in Verbindung gebracht wird.
WikiLeaks
Die tschechische Firma Kovosvit aus Sezimovo Ústí hat vor vier Jahren
zwei Werkzeugmaschinen in die Türkei geliefert, die durchaus im Iran als
Bestandteil des dortigen Atomprogramms hätten landen können. Der Vertrag
mit einer türkischen Firma wurde damals vom Ministerium für Industrie und
Handel in Prag bewilligt. Vor der türkischen Handelsfirma Ak Makina aber
sei Tschechien von den Vereinigten Staaten gewarnt worden. Das sei einer
Depesche zu entnehmen, die jetzt von der Internetplattform WikiLeaks
veröffentlicht wurde, berichtete das Tschechische Fernsehen (ČT).
Vít Kolář
Eine US-Behörde wandte sich an die amerikanische Botschaft in Prag mit
der Bitte, diese Aktivitäten zu überprüfen. Zudem wurde die Empfehlung
ausgesprochen, dass die tschechische Seite Maßnahmen treffen sollte, die
einen Weiterverkauf der Werkzeugmaschinen in den Iran verhindern. Vít
Kolář, der Sprecher des tschechischen Außenministeriums, sagte zu den
Vorgängen von vier Jahren:
„Es tut mir leid, aber das Ministerium wird den Inhalt der internen Kommunikation der amerikanischen Administrative nicht kommentieren.“
Auch der tschechische Geheimdienst BIS wollte sich zu der von WikiLeaks veröffentlichten Depesche nicht äußern. Das Interesse des Irans, tschechische Komponenten für sein Atomprogramm zu erhalten, habe BIS jedoch in seinen Jahresberichten festgehalten. Darin sei unter anderem von einem undurchsichtigen Netz an Händlern die Rede, die oft ihren Namen wechseln. Auch ein Fall aus dem Jahr 2007 sei darin aufgeführt, hieß es im Tschechischen Fernsehen.
Werkzeugmaschine von der Firma Kovosvit (Foto: Kovosvit)
Die Firma Kovosvit MAS hat im Jahr 2007 vom Ministerium für Industrie und
Handel rund 150 Exportgenehmigungen für ihre Werkzeugmaschinen erhalten.
Sie wurden nach Russland, die Ukraine, nach China, Indien und in die
Türkei exportiert. Die Verkaufsaufträge aus der Türkei habe Kovosvit
über die Handelsfirma Ak Makiny erhalten, bestätigte das Fernsehen. Der
technische Direktor von Kovosvit MAS, Vladimír Čížek, aber verwies
darauf:
„Im beiderseitigen Handelsvertrag wird klar definiert, dass
ausschließlich die Türkei das Zielland des Verkaufs ist.“
Ein Vertreter der türkischen Firma Ak Makina erklärte darüber hinaus,
dass sein Unternehmen für Waren aus Tschechien nie ein Angebot aus dem
Iran erhalten und auch nie etwas dorthin verkauft hätte. Ein Sturm im
Wasserglas also? Das wird man wohl nie so recht erfahren. Weitere
Fernschreiben der amerikanischen Diplomatie, in denen Tschechien laut
WikiLeaks eine Rolle spielte, hatten einen weniger brisanten Inhalt. Sie
befassten sich mit der ehemals geplanten Stationierung einer US-Radaranlage
in Tschechien oder mit dem Einsatz tschechischer Soldaten in Afghanistan.







