Tagesecho „Concertino Praga“: Schon seit 45 Jahren zeichnet der Tschechische Rundfunk Nachwuchsmusiker aus

15-02-2010 16:39 | Daniel Kortschak

Am Montagvormittag sind im Prager Funkhaus die Sieger des diesjährigen Wettbewerbs für junge Musiker „Concertino Praga“ bekanntgegeben worden. Den Preis in der Kategorie Klavier und auch der Gesamtpreis ging an die Russin Anastasia Vorotnaya, in der Kategorie Violine siegte die Tschechin Julie Svěcená, als bester Violoncello-Spieler wurde der Russe Wsewolod Gusow gekürt und der Titel in der Kategorie klassische Gitarre geht ebenfalls nach Tschechien, nämlich an Veronika Hrdová. Im Wettbewerb dabei waren auch zwei Österreicherinnen: Die Gitarristin Stella Maria Schletterer bekam ebenso einen Anerkennungspreis wie Anna-Luisa Mahaffy in der Kategorie Geige. Radio Prag hat mit dem Jury-Vorsitzenden Frank Reich über den Wettbewerb „Concertino Praga“ gesprochen.

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Herr Reich, wie war denn die Qualität der diesmal eingereichten Beiträge?

„Wir waren sehr erfreut über das Niveau. Wir haben fast alle Preise, die zu vergeben sind, auch vergeben. Denn es kann durchaus einmal passieren, dass in einer Kategorie das Niveau nicht ganz so gut ist und kein Preis vergeben wird.“

Sie haben die verschiedenen Kategorien schon angesprochen. In welchen Kategorien wird der Preis denn vergeben?

„Wir hatten in diesem Jahr vier verschiedene Instrumente im Bewerb. Violine, Klavier, Violoncello und klassische Gitarre.“

Ich habe gehört, die eingereichten Aufnahmen werden von der Jury anonym bewertet. Das klingt sehr ungewöhnlich. Ist das wirklich so ungewöhnlich, oder ist das bei solchen Wettbewerben üblich?

„Das ist in der Tat sehr ungewöhnlich. Allerdings, den Autor des Stückes kennen wir schon. Dazu gibt es eine Liste. Was wir aber überhaupt nicht kennen, sind das Alter, das Geschlecht und die Nationalität. Das ist uns völlig unbekannt, wir haben lediglich eine Nummer. Das ist tatsächlich eine Besonderheit dieses Wettbewerbs, diese totale Anonymität, dass alles nur über die abgespielten Aufnahmen funktioniert.“

Das heißt, in der Bewertung beurteilen Sie nur die Nummern, und erst ganz am Ende stellen Sie dann fest, wer sich hinter dieser Nummer verbirgt.

„Ja, das ist sehr spannend. Denn natürlich macht man sich Gedanken. Zum Beispiel denkt man darüber nach, ob das jetzt ein Mädchen oder ein Junge ist. Bei unserem Wettbewerb handelt es sich ja um Jugendliche bis 16 Jahre, die Gitarristen durften bis 19 Jahre alt sein. Oder man überlegt sich, ob man aus dem Stil vielleicht heraushören kann, woher der Teilnehmer kommt. Zum Beispiel, ob er aus Russland oder aus Spanien ist. Aber unsere Erfahrung ist, dass man meistens völlig daneben liegt.“

Also, der Russe ist dann ein Spanier…

„Ja, ganz genau! Oder umgekehrt. Das macht den Wettbewerb ja so besonders spannend, weil man sich wirklich voll auf den akustischen Eindruck konzentrieren kann “

Herr Reich, Sie sind ja auch Präsident der Europäischen Musikwettbewerbe für die Jugend (EMCY). Welche Position hat denn der Tschechische Rundfunk mit seinem Wettbewerb „Concertino Praga“ innerhalb dieses Konsortiums?

„Das ist einer unserer ältesten Wettbewerbe. ‚Concertino Praga’ ist ja 45 Jahre alt, ein sehr traditionsreicher Wettbewerb also mit einem sehr ausgeprägten Profil. Das ist wirklich etwas Besonderes, weil die meisten Wettbewerbe gibt es erst ein paar Jahre. Hier in Tschechien gibt es hingegen schon eine richtige Wettbewerbs-Tradition.“

Und mit der Preisverleihung für den 44. Jahrgang hat gleichzeitig die 45. Ausgabe des internationalen Musikwettbewerbs für junge Künstler „Concertino Praga“ begonnen. Anmeldeschluss ist der 24. September 2010. Nähere Informationen finden Sie auf der Homepage des Bewerbs .

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