Tagesecho Christdemokraten starten Wahlkampf
Eine Bestätigung des Vorsitzenden und ein Segen des Staatspräsidenten - das ist das Ergebnis des Parteitages der tschechischen Christdemokraten, der am vergangenen Wochenende im westböhmischen Plzen / Pilsen abgehalten wurde. Bara Prochazkova berichtet.
Foto: CTK
Die Christdemokraten (KDU-CSL) haben ihre Parteiführung bestätigt -
Miroslav Kalousek bleibt auch für die kommenden vier Jahre der
Vorsitzende, Jan Kasal soll weiterhin als sein erster Stellverstreter
tätig sein. Beide Herren haben ihre starke Position in der Partei gezeigt,
denn bei der Wahl gab es keine Gegenkandidaten. Zu den hochrangigsten
Gästen des Parteitags zählte der tschechische Staatspräsident Vaclav
Klaus. Er hat in seiner Rede den Christdemokraten viel Erfolg bei den
Wahlen im nächsten Jahr gewünscht und bezeichnete sie als eine stabile und
stabilisierende Kraft der tschechischen Politszene. Die KDU-CSL ist neben
der Heimatpartei von Klaus - den konservativen Bürgerdemokraten - die
zweite Partei, an deren Parteitag Klaus persönlich anwesend war. Eine
Empfehlung für die Wähler oder eine mögliche Koalitionsaussage für die
Zukunft solle sein Besuch aber keineswegs sein, sagte Klaus den
Journalisten:
Vaclav Klaus hält seine Rede zu den Christdemokraten, Foto: CTK
"Ich glaube, dass ich in diesem Zusammenhang nicht engstirnig bin.
Ich habe zum Beispiel auch ein Grußwort für den Parteitag der
Sozialdemokraten verfasst. Sie hatten damals jedoch kein Interesse am
Vorschlag gezeigt, dass ich dort persönlich anwesend sein sollte. Aber
mein Grußwort wurde auf dem Parteitag verlesen. Es ist Teil meiner
allgemeinen Strategie, als ein Bindeglied der tschechischen Politik zu
funktionieren und dazu beizutragen, dass sich die jeweiligen Parteien
nicht untereinander streiten. Wenn ich also dazu beitragen kann, dass die
politische Landschaft in Tschechien stabil bleibt, dann ist genau dies
mein Hintergedanke."
Der Besuch des Staatspräsidenten widerlege die Behauptungen, dass Vaclav Klaus der Präsident nur einer politischen Partei sei, sagte der Vorsitzende der Christdemokraten, Miroslav Kalousek. Symbolisch wurde am Wochenende auch die Wahlkampagne für die kommenden Wahlen gestartet. Die Hauptthemen werden unter dem Motto "Die ausgleichende Kraft" zusammengefasst: Die Unterstützung von Familie sowie die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmern gehören dazu. In seiner Rede rief Kalousek auch dazu auf, dass die Christdemokraten den Einfluss der Kommunisten auf die tschechische Politik verhindern sollen. Der Vorsitzende der Bürgerdemokraten, Mirek Topolanek, der auch als Gast an dem Parteitag teilnahm, betrachte bei den Christdemokraten gerade dies als problematisch:
Vaclav Klaus (links) und Miroslav Kalousek, Foto: CTK
"Aus ihrer Partei haben die Sozialdemokraten eine Geisel gemacht, als
sie die Teilnahme der Kommunisten an der Regierung verhindern wollten.
Diese Geisel sollte das Überleben der jetzigen Regierungskoalition
sichern. Sie haben letztendlich viel geschafft, der Einfluss der
Kommunisten wurde nichtsdestotrotz verstärkt. Im Parlament regiert
faktisch nicht die Gruppe von 101 sondern von 110 Abgeordneten."
Ob die jetzige Regierungskoalition mit den Sozialdemokraten erhalten
bleibt, oder ob nach den Wahlen eine neue Koalition mit den
Bürgerdemokraten entsteht, die Christdemokraten würde gerne wieder
regieren, so der Tenor des Parteitages. Der alt und neue Vorsitzende
Kalousek hat eine klare Vision - zehn Prozent der Wählerstimmen möchten
die Christdemokraten bei der nächsten Parlamentswahl auf jeden Fall
erreichen.






